Weihnachten 2010

Bekanntlich bin ich nicht so der Winterfreund. Eigentlich bin ich eher so der Winterhasser. Kälte, Schnee und Räum- und Streupflicht sind meine natürlichen Feinde.
Viel lieber bohrte ich meine Zehen jetzt in weißen Waikiki-Sand, hielte einen Sundowner in den Händen und meine einzige Sorge wäre, dass ich gerade niemanden sähe, der meinen Rücken mit Sonnenmilch versorgen kann.

Statt dessen glitzerglatte Straßen und Gefrierpunkttemperaturen. Und Geschenke. Und Glögg. Und Gemeinsamkeit. Und Gäsefondue. Auch nicht so schlecht, irgendwie.

Ich wünsche Euch fröhliche Weihnachten. Fröhlich, hört Ihr? Strengt Euch an!

moggadodde

Wissen macht „Hohoho!“

Strom kommt aus den Rüsseln von in Wänden eingemauerten Schweinen, Pommes Frites wachsen auf dem Kartoffelbaum, Kühe sind lila und Bon Jovi kein von fiesen Außerirdischen infiltrierter Spion, um die Leidensfähigkeit der Erdbewohner zu testen.

Wir machen uns wenig Gedanken, wo und wie Dinge entstehen, die uns im täglichen Leben begegnen. Im Blog von Herrn Langauer habe ich eine Entdeckung gemacht, die ich Euch nicht vorenthalten kann.

Ein wichtiges Stück Aufklärung über geknechtete Kreaturen unserer Zeit. Damit niemand mehr behaupten kann, er hätte von nichts gewusst.

Einen nachdenklichen Abend wünscht
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Neulich beim Möbelschweden

Mir war bisher nicht bekannt, dass Ikea neuerdings auch Lieferant für die milcherzeugende Industrie ist.

Der Melkmaschinenaufsatz „Smörremjölk“ zeichnet sich durch ein sehr gelungenes Design aus und besticht durch verstellbare Eutereinfüllstutzen.
Leider wurde bei der Planung übersehen, dass ein handelsübliches Kuheuter über vier Zitzen verfügt und „Smörremjölk“ für Milcherzeuger somit unbrauchbar ist. Die findigen Schweden bastelten deshalb einfach ein paar Gewinde in die Stutzen und schon wurde eine Lampe daraus! Ziemlich tricky!

Einen gedankenblitzenden Abend wünscht
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Oma zum Zweiten

Sobald übrigens Gesprächswüste drohte, holte die Oma ihre Mundharmonika aus dem auf ihrem Schoß gebunkerten Täschlein.
Mit geschlossenen Augen und voller Inbrunst intonierte sie Volksweisen, die zu Recht in Vergessenheit geraten sind, irgendwas mit Zigeunern war, glaube ich, auch darunter. Am Ende des jeweiligen Ständchens klatschten wir alle Beifall und lobten ihre Darbietung.
Mit entschlossener Bewegung wischte sie jedesmal mit dem Ärmel ihres Pullovers über das Instrument und hielt es über den Tisch. „Da, die kannst du haben. Ich hab noch mehr davon!“, sagte sie freundlich und ihr Gebiss klapperte, aber der kleine Hank lächelte tapfer und lehnte dankend ab. Undankbarer Fratz, der!
Später erzählte er mir, dass er während der Vorführungen immer mal wieder verschwinden musste, weil der aus Omas tüchtig geblasener Mundharmonika sprühende Speichel ihn, der ihr gegenüber saß, zu arg zu tränken drohte. Und einmal am Tag geduscht, reiche schließlich.

Ich denke, ich sollte meine Oma öfter einladen. Das war jedenfalls ein Nachmittag, an dem Loriot seine Freude gehabt hätte!

Einen feuchtfröhlichen Tag wünscht
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Oma in da house

Und dann war da noch meine Oma, die uns mit meiner Mutter und dem Brüderchen heute besuchte. Bis auf die Arthrose in den Knien ist sie vermutlich in besserer, körperlicher Verfassung als ich an manchen Tagen, was sie nicht daran hindert, unter herzzerreißendem Stöhnen ein ständiges „Ach, Maria hilf!“ zu seufzen. Nur in ihrem Oberstübchen herrscht noch mehr Unordnung, als in unserem Keller. Sie erkannte niemanden von uns als ihre Verwandtschaft, ordnete Brüderchen mir als Gatten zu, Dixie wurde zu Hanks Mutter und der MamS wurde von ihr hartnäckig gesiezt. Wenn jemand vom Tisch aufstand, um etwa kurz in der Küche einen Löffel oder etwas zu Trinken oder einen Zahnstocher zu holen, wurde er mit einem „Und wer ist das jetzt?“ bedacht, dann erklärten wir halt aufs Neue geduldig unsere familiären Verstrickungen und hofften im Stillen, dass unsere Nachfahren genauso geduldig mit uns wären, sollten wir je in einen solchen Zustand geistiger Verbreiiung geraten.

Der Kracher allerdings war, als sie sich an den MamS wandte und ihn mit „Na, wir beide müssten ja ungefähr der gleiche Jahrgang sein, gell?!“. Nun muss man wissen, dass meine Oma im nächsten März auf 90 Jahre zurückblickt. Ich meine, der MamS hat ja nun auch schon ein paar Lenze auf dem Buckel, aber trotzdem sieht er keinen Tag älter aus als, naja, sagen wir Mitte 40. Er klärte sie lachend über sein wahres Alter auf, trotzdem fragte sie ihn einige Zeit später, in welchem Jahr er denn geboren sei. „1919!“ antwortete er jetzt. „Ach, dann sind Sie ja zwei Jahre älter als ich!“, stellte sie fest, was zumindest rein rechnerisch nicht zu beanstanden war.

Als es ans Verabschieden ging, fiel ihr Blick auf mich. „Du bist aber rund geworden!“, rief sie aus. Natürlich weiß ich nicht, ob sie mich verwechselte. Oder ob sie auf meinen Vorher-Nachher-Zustand anspielte (es gab Lasagne, da kann ich mich nur schwer zurückhalten). Zumindest wusste ich aber, dass sie bezüglich des MamS ja auch kein sehr sicheres Auge bewiesen hatte.

Tief im Inneren ist mir ja klar, dass die Oma, was das angeht, nicht vollumfänglich verkehrt liegt. Aus vorweihnachtlichen Gründen habe ich schon Gewicht gemacht, in den letzten Wochen. Aber immerhin hat sie mich nicht auf 90 geschätzt. Das tröstet mich etwas. Aber nur etwas.

Eine gewichtige Nacht wünscht
moggadodde