Laufpass

Geschrieben am 3. März 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

So viele Jahre hielt ich Treue,
spürt nie auch nur Verlangen.
Doch erstmals nun – groß ist die Reue,
bin ich jetzt fremdgegangen.

Dank großen Halts einst hoch gefeiert,
trotzdem so weich wie Blumenheu.
Jetzt seid ihr schlaff und abgemeiert –
getrennt wird Weizen nun von Spreu.

Aus Kork und Leder gern gekauft
mit höchst kommodem Bette
beschertet ihr mir flotten Lauf
wie mit einer Corvette.

Ihr schlepptet mich durch Klinikflure,
durch Fremdenzimmer und ins Bad
Doch nun folgt Eure letzte Fuhre,
lang hab ich dieses aufgespart.

Jetzt will ich Euch mit großer Wonne
mithin ins dunkle Grab verklappen.
Es wartet nur die schwarze Tonne:
Die Zeit war reif für neue Schlappen!

Abgetreten

Abgetreten

(Ich hasse Schuhe kaufen)

Einen kommoden Tag wünscht
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Das kleine Krabbeln

Geschrieben am 6. Februar 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Eine gesunde Neugierde ist nichts, was man mir nicht nachsagen könnte, ganz besonders das Nahrungsmittelbusiness betreffend. Als eingefleischter Omnivore esse ich vieles gern und einiges sehr gern, was man meiner physischen Erscheinung mit etwas Phantasie durchaus auch ansehen kann. Die Ausrede mit der zickenden Schilddrüse zieht bei mir ja leider nicht mehr.

Es gibt nur wenig, von dem ich mich ekelschüttelnd abwende: Die von vielen geliebte Schlachtschüssel (inklusive der entsetzlichen Kesselsuppe) gehört unbedingt dazu.
Dixie und der kleine Hank bekamen vom Krabbelalter an beigebracht, dass man unbekanntes Essen aber wenigstens versucht. Bei Nichtschmecken gab es zwar kein Geld zurück aber die Gewissheit, nicht weiteressen zu müssen mit dem Ergebnis, dass beide bei der Nahrungsmittelauswahl keine allzu kleinlichen Vorbehalte hegen. Dixie mag weder Ananas noch Bohnen oder Schnecken, der kleine Hank verschmäht Lakritze und Schnecken, schaufelt aber ansonsten, was der Wanst fasst.

Vielseitigkeit hinsichtlich der erforderlichen Verpflegung ist ja eine Notwendigkeit, auch angesichts der steigenden Weltbevölkerung. Dioxineier, Würmer in Fisch, BSE, H5N1, Maul- und Klauenseuche, Penicillin-Puten und selbst mit Biokauf ist der Esser nicht immer auf der sicheren Seite. Sogar Kühe neigen ja mittels flammabler Flatulenzen inzwischen zur suizidalen Selbstgefährdung.

Die heroische @huldine und der beherzte @RadulfRumpel sind jährlich in fremden Gefilden unterwegs und erheitern uns bei Facebook mit ihren Reiseberichten. Zu den filmischen Höhepunkten gehört jeweils das Verspeisen einer einheimischen Spezialität wie Spinne, Skorpion und neulich in Thailand eine äußerst monströse gut genährte Kakerlake. Was sich zunächst eklig anhört, ist erstens lustig anzusehen und zweitens nichts, was Einheimische nicht auch auf dem üblichen Speiseplan hätten. Nahrungstabus in allen Ehren, aber in einer globalisierten Welt werden auch diese über kurz oder vielleicht etwas länger fallen: Einst verpöntes, fernöstliches Sushi ist ja mittlerweile auch in aller Volksmund angekommen.
Insekten sind die Nahrungsmittelquelle der Zukunft, meinen Experten. Eiweiß- und proteinreich seien sie, sowie aus nahezu unerschöpflicher Quelle verfügbar.

Meiner oben erwähnten Neugier folgend bestellte ich neulich zwei Probierpäckchen:

Mahlzeit!

Mahlzeit!

Ich wählte Mehlwürmer Mexican Spice und Grille Curry, weil ich einfach wissen wollte, wie es schmeckt! Eben haben der MamS und ich gekostet: Die Mehlwürmer knuspern und schmecken nussig und mir besser als die Grillen, die nach Entfernen der Flügel und Beine wegen des Chitins ein Mundgefühl wie nachlässig geschälte Erdnüsse zeigen, aber durchaus auch nicht zu verachten und tot und somit sowieso ganz und gar kein Grund zum Ekeln sind. Für fortschrittliche Verstoffwechsler werden inzwischen ja sogar spezielle Insekten-Kochkurse angeboten. Lebendige, sich windende Würmer fielen aber bei mir wohl unter die Kategorie Kesselfleisch: No go. Frittiert oder gebraten und ordentlich gewürzt ist dagegen aber absolut nichts zu sagen. Um satt zu werden braucht’s zwar eine Handvoll aber: Yummi!

Insekten wird es auch noch geben, wenn der letzte Kuhstall ein Raub der Flammen geworden ist. Der niederländische Vorstoß der Live-Verkostung von Menschenfleisch hingegen geriet 2011 völlig berechtigt zum Flop. Fleischeslust in allen Ehren, aber zum Verspeisen humanoider Muskelmasse gehört schon ein erkleckliches Quäntchen Irrsinn.

Der kleine Hank hat sich während unserer Verkostungsaktion übrigens in sein Zimmer verkrümelt. “Deine Viecher sind da!”, whatsappte er mir heute in die Katakomben. Neben Lakritze und Schnecken werden Insekten wohl nicht zu seinen bevorzugten Sattmachern.

Trotzdem. Bleibt neugierig!
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Dadord Würzburch – Falschspieler

Geschrieben am 3. Februar 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Um einen unterhaltsamen Kinoabend zu erleben, muss es nicht immer ein millionenschwerer Blockbuster oder ein französischer Laberfilm sein: Ich hatte heute im CinemaxX ganz viel Unterhaltung mit einer Krimi-Produktion aus fränkischen Landen.
“Falschspieler”,

Falschspieler

Falschspieler

der inzwischen schon vierte Streifen aus der “Dadord Würzburch”-Reihe der Rimparer Filmenthusiasten um Christian Kelle, Kopf der rrtv, kommt dank Sponsoren, sprudelndem Herzblut aller Beteiligten, bizarren Einfällen und fanatischer Liebe zum Detail ohne horrendes Budget aus und kann trotzdem vorzüglich amüsieren.
Würzburg-Kenntnisse sind nicht unbedingt erforderlich, erhöhen aber den Unterhaltungsfaktor noch und dank eines augenzwinkernden Hinweises im Vorspann ist man auf manch freizügigere Szene vorbereitet. Die Leute haben einfach Spaß beim Dreh, und das sieht man ihnen auch an.
Mir hat er gefallen, der “Falschspieler”, auch das Würzblog war voll des Lobes und sogar der kritische MamS fand’s gelungen, was ich zu seinen Gunsten nicht auf das Vorhandensein von teilweise bis nicht verhüllten Brustbalkonen zurückführe, sondern auf die spürbare Begeisterung aller Beteiligten und das gewitzte Drehbuch um den knuffigen knorrig-kaputten Privatdetektiv Axel Strick, der diesen Kriminalfall nicht im Alleingang lösen muss.

Es gibt bis 18.02.2014 noch 7 Vorstellungen im CinemaxX Würzburg, Einzelheiten für die Kartenbestellung gibt es hier.

Eine filmreife Nacht wünscht
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Star Dreck

Geschrieben am 20. Januar 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Die Wohnung, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2014. Dies sind die Abenteuer des Himmelfahrtskommandos “Ekelpreis”, das mit seiner 3 Mann starken Besatzung seit 1 Monat unterwegs ist, um fremde Gerüche zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Fern jeden Vorstellungsvermögens dringt die Ekelpreis in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gerochen hat.

Chirk und Schrotty stellen sich den dunklen Weiten voller Antimaterie und bringen die Fusionstorpedos in Stellung.

Chirk und Schrotty stellen sich den dunklen Weiten voller Antimaterie und bringen die Fusionstorpedos in Stellung.

Folge 2 – Das Wesen Miephisto
Zusammenfassung:

Die Besatzung ist inzwischen fest davon überzeugt, dass sich das Böse im Maschinenraum befindet. Cpt. MamS T. Chirk steht zunehmend unter dem Einfluss der Kreatur und verhält sich bei jedem Zusammentreffen aggressiver, was sich auch auf den Rest der Crew auswirkt. Das widerliche Wesen hat seinen Geruch immer wieder verändert und geht stets äußerst tückisch vor. Einmal wiegt es die Besatzung in Sicherheit und nährt die Hoffnung, es besiegt zu haben, um nur einen Tag später seine Präsenz durch den Geruch von Katzenfutter zu zeigen. Mittlerweile hat es sich wieder zu verkippter Milch gewandelt. Das Wesen scheint noch unentschlossen, sein olfaktorisches Selbst betreffend.
Cpt. Chirk und Chefingenieur Schrotty durchsuchen nun auch den versteckten Winkel über dem verglasten Notausstieg. Die Erbauer des Schiffs befüllten diesen aber einst mit einer üppigen Ladung Bauschaum, so dass weitere Untersuchungen möglicherweise auf Kosten weniger der Stabilität des Schiffs als Konflikten mit dem Eigner vonstatten gehen müssten.
Die Eröffnung der Luftluken im Bodenbereich fördert diverse Tupperdeckel und je eine Packung Vanillezucker und Puddingpulver (Schokolade) zutage, die durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum der rückseitigen Schrankwand entkommen sein müssen. Kommunikationsoffizierin und Maschinenraumchefin Mohura schlägt dem Captain einen Strategiewechsel im Kampf gegen das Wesen vor: Ab sofort werden die zur Versorgung der Besatzung genutzten Proteinresequenzer mit deaktivierter Filterung verwendet: Mit ziemlich lange gebratenen Konter-Fleischküchlikanonen und viel dunklem Zwiebelwerk vom Planeten Rewe verwirren sie nun das Wesen und tatsächlich scheint es so perplex, dass es sich einen halben Tag nicht zeigt. Seit gestern scheint es sogar gänzlich inaktiv zu sein. Die Besatzung traut dem Braten aber nicht und wird sich bei erneutem Erscheinen den teilweise mit haarfeinen Rissen durchzogenen Silikonfugen in den Ecken des Maschinenraumfußbodens widmen.

Warpwarp
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Tod macht erfinderisch

Geschrieben am 17. Januar 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Auch wenn am Ende niemand verschont bleibt: Mit dem eigenen Tod beschäftigt sich Otto Normalsterblicher ja eher ungern. Der Abschluss einer Lebensversicherung, das Hinterlegen einer Patientenverfügung oder eines Testaments sind das Äußerste, zu dem zumindest ich in puncto Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit bereit bin. Alles danach liegt sowieso nicht in meiner Hand; über die weitere Verwendung meiner fleischlichen Überreste sollen bitte andere Leute entscheiden. Dank eines Organspendeausweises ist zumindest der gefürchtete Umstand, lebendig verbrannt oder verbuddelt zu werden, erfreulicherweise aufs Geringste reduziert.

Weniger Berührungsangst haben da die Herren, die im kommenden November eine Veranstaltung der “Evangelischen Männerarbeit in Bayern” (EMB) besuchen werden. Bietet das Jahresprogramm ansonsten eher konservative Freizeitbeschäftigungen wie Klettern in der Halle oder einen Fotokurs, besteht beim Kurs “ewigleben” die Möglichkeit, handwerklich tätig zu werden: Über ein Wochenende wird der eigene Sarg geschreinert.

Zunächst fand ich die Idee ziemlich makaber. Aber dann dachte ich nach. Selbst bei dürftigster Ausgestaltung der finalen Feierlichkeiten durch einen Discounter können mehrere Tausend Euro anfallen. Zur letzten Ruhe kommt man dann in der Regel in einer schmucklosen Kiste, für das ökologisch voll korrekte Ableben sind seit einigen Jahren auch solche aus Pappe, unter der markanten Bezeichnung “Peace Box” erhältlich. Den gestalterischen Wünschen sind hier kaum Grenzen gesetzt und es sind mitunter sogar richtig schicke Endbehälter dabei.
So etwas stinkt natürlich nicht an gegen den selbst gefertigten Sarg. Nur die wenigsten können ja von sich behaupten, sie hätten ihr Erdmöbel höchstselbst gezimmert, verziert und seien überdies in der Lage, in ihrem Endlager bereits probegelegen zu haben. Ist das der nächste, große Trend? Steht OBI mit dem Selbstbausatz “Truhe sanft” schon in den Startlöchern? Verkauft IKEA demnächst das Modell “Döden” mit bunten Sargnägeln und wechselbarem Anschlag?

Problematisch sehe ich die Frage der Aufbewahrung. Unter günstigen Umständen vergehen ja hoffentlich noch einige Jahrzehnte, bis das sperrige Stück zum Einsatz kommt. Kann man einen Lagerplatz beim Bestatter mieten, so wie für Reifen in der Autowerkstatt? Oder muss es sein Dasein solange in Garage oder Keller fristen, und wird man nicht jedesmal, wenn man sich beim Wasserholen den Fuß daran stößt, an die eigene Endlichkeit gemahnt? Ich persönlich fände das ja einen zutiefst bedrückenden Gedanken.

Wer seinem eigenen Ableben aber so erfrischend entspannt gegenüber steht und vorzeitig seinen eigenen Sarg anfertigt, sollte ihn auch ins Leben integrieren, als Sommerlager für die Wintermäntel vielleicht oder als Gästebett. Mit ein paar Polstern darauf wird eine hübsche Sitztruhe daraus, auf der sich trefflich über den Tod philosophieren ließe. Nach nur wenigen Modifizierungen leistet er auch beim Skiurlaub als Dachbox auf dem Auto gute Dienste und man wäre das Gesprächsthema eines jeden Raststättenparkplatzes.

Weil ich, wie oben erwähnt, dem eigenen Tod nicht annähernd so leger gegenüber stehe, erteilte ich diesem Kurs ja eine, ähm, Absarge. Aber für die Teilnehmer gibt es möglicherweise im nächsten Jahr einen Fortsetzungskurs: “Terra incognita: Ich schaufle mein eigenes Grab”.

Einen lebendigen Tag wünscht
moggadodde

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Für jeden Topf ein Deckel

Geschrieben am 4. Januar 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Von wegen “Stilles Örtchen”! Als ich mich heute ebendort zu bekanntem Behufe niederließ, barst die Brille unter lautem Knall. Eine Klobrille mit 16 Jahren abgesessenen Jahren darf mal kaputtgehen, rede ich mir ein finde ich.

I see faces

I see faces

Die Suche nach Ersatz führte den MamS und mich zum OBiber. Die Auswahl an Topfdeckeln ist zwar riesengroß, die meisten schieden aber aus: Auf einem WC-Sitz mit Stacheldraht müsste ich immer an Hämmorrhoiden denken, ein angekauter Käse ist auf der Toilette völlig fehl am Platz und wieso man sich in unterfränkischen Schmuddelgefilden Sand-Muscheln-Seestern-Arrangements aufs Klo schrauben sollte, verstehe ich auch nicht. Schlicht weiß sollte der neue Deckel sein und trotz aller Intervention meinerseits bestand der MamS, der pathologische Perfektionist, darauf, auch gleich den anderen, noch intakten Klodeckel auszutauschen.

In den vergangenen 16 Jahren hat die Klodeckelkomfortforschung ja erstaunliche Fortschritte gemacht. Eine Absenkautomatik schien mir sinnvoll. Aus der Hand gerutschte Klodeckel fallen bei meinen ungeliebtesten Nervgeräuschen unter die Favoriten. Erst zuhause entdeckten wir, dass die Neuen nicht zum Verschrauben, sondern zum Kleben sind. Klobrillen komplett ohne Schrauben? Nur zum Aufkleben? Der kleine Hank und ich nahmen das Geschäft in die Hand und tatsächlich: Es ist kinderleicht und passt wie der berühmte Arsch auf den Eimer! Nach 4 Stunden Aushärten sitzen die Sitze perfekt ausgerichtet auf den Töpfen und ich bin gespannt, wann der erste Notdürftige das Trumm in der Hand hat. Noch traue ich dem Projekt aufgeklebter Klodeckel nämlich nicht wirklich.

Eine erleichterte Nacht wünscht
moggadodde

UPDATE1: Sie wackeln. Beide. Seufz.

UPDATE 2: Zum Putzen angehoben. Es knirscht. Zack, ab. Shit. Ich nenne es Power Flop statt Power Loc.

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Miefbusters

Geschrieben am 31. Dezember 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Chopper war ja so ein Phänomen meiner Jugend. Ein Geist, der sich in einer Zahnarztpraxis durch blecherne Spucknäpfe mitteilte und die Welt in Aufruhr versetzte. Bis zu seiner Entlarvung als ein aus dem Ruder gelaufener Scherz wurden damals unter den Augen der Welt zahlreiche Parapsychologen, technische Spezialeinheiten und eine Soko der Polizei verschlissen.

Unheimliches spielt sich seit Freitag auch in der hiesigen Küche ab.

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Ein Geruch liegt über dem Raum. Ein seltsamer Geruch. Und würden wir ihn einordnen wollen, täten wir dieses am ehesten in die “bei 30 Grad in die Küche gekotzt und nicht aufgewischt”-Richtung. Er ist nicht dauernd da und lässt sich nicht in einer bestimmten Ecke festmachen. Wir krochen auf Knien mit Nasen schon über Fliesen und Teppich, beschnupperten Schubladen, Pfannenwender und Essensvorräte. Der MamS putzte die Dunstabzugshaube sowie Spülenabfluss und inspizierte sämtliche Regale sowie Backofen, Töpfe, Spülmaschineninnereien. Wir rochen an Stühlen, Wänden und Steckdosen. Wir zerlegten die Blenden an den Unterseiten der Küchenfronten, wuschen Vorhänge und schnüffelten am Rollokasten. Vielleicht hat ja ein verirrtes Tier dort sein Leben ausgehaucht. Georg sagte mal, man erkenne Verwesungsgeruch auch als Erstleichenfinder sofort und ich meine, etwas von “süßlich” zu wissen. Aber das hier ist anders. Außer einem Stück Knoblauch, der in einem Tontopf der kleinen Zehe einer Wachsleiche gleich vor sich hin müffelte, fanden wir nichts. Die Quelle ist nicht auszuwittern und seltsamerweise ist der Geruch nicht immer aber sehr oft einfach da, sobald man die Schwelle zur Küche übertritt und auch wieder ruchbar, wenn Kaffee- oder Kochdüfte verzogen sind.

Fremde mögen den Geruch gar nicht wahrnehmen oder als normal ansehen. Aber wir wissen, dass er das nicht ist. Es ist zum Haareraufen. Treibt ein Geruchsgeist, ein Stinkspuk, ein Duftdämon oder vielleicht die verfluchte Seele eines hier zubereiteten Schweineschnitzels sein Unwesen? Wenn ja, was soll es uns sagen? “Putz mal wieder durch hier!”, kann es jedenfalls nicht sein; dieser Raum befindet sich nämlich inzwischen auf dem Hygienelevel eines Operationssaals.

So heißt es also warten. Vielleicht ist irgendwann die Luft wieder rein. Der kleine Hank rät zu einer Duftkerze, mein nächster Vorschlag ist entweder ein raumbezogener Exorzismus oder ein neuer Anstrich. Vielleicht in Zahnarztgattinnenweiß. Chopperrot. Oder Cheesy Rider-gelb?

Euch einen duften Abend wünscht
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Früher™ war alles anders

Geschrieben am 10. Dezember 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Die allerorten eingerissene Unsitte der Doppelmoderation bei meisten Radiostationen geht mir in der Frühe ja kräftig auf den Wecker. Kreischig-quietschfidele Moderatorenpärchen liefern sich gähnend komische Wortgeplänkel oder verfallen wegen des Ausbleibens von Schnee in Wehklagen. Fakeanrufe von kindlich klingenden Erwachsenen belästigen unschuldige Leute, inszenierte komische Unterhaltungen mit dem Senderhausmeister erfahren ihre Darbietung, während ich kaum geradeaus schauen, geschweige denn zu denken vermag – ich kann es nicht ertragen. Menschen, die im Morgengrauen schon gute Laune versprühen, sind mir sowieso zutiefst suspekt. Und auf das Dauerdurchgenudele aller Arten von Biebergagas kann ich tageszeitenunabhängig auch verzichten. Meist decke ich mich über Nachrichtensender binnen Minuten mit dem nötigen Wissen über die neuesten schlechten Meldungen ein und dann kommt eine CD ins automobile Gerät.

Zappzufällig stieß ich vor ein paar Tagen auf Bayern 1. Noch vor wenigen Jahren hätte ich erschreckt weggedrückt: Musikalische Antiquitäten wurden doch da gespielt, staubige Stücke aus einer Zeit, in der Songs noch “Lieder” hießen und Bands noch “Gruppen” und die das Wohlgefallen meiner Eltern und der James Last-Generation generell fanden, was sie für mich damals per se schon als unhörbar disqualifizierten.

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Heute allerdings, kurz nach 6 im Auto, sang Peter Gabriel z.B “Solsbury Hill”, gleich danach intonierten Phil Carmen, Sister Sledge und, aufgemerkt! – Albert Hammond! Ich meine: Albert Hammond! Wann hatte zuletzt ein Sender die Traute zu “Free Electric Band”? Meine schlechte Laune taute schnell auf, dabei hatte ich doch erst einen Kaffee!
Neben Musik abseits von perryesken Poppfaden hat Bayern 1 aber auch praktische Lebenshilfe zu bieten. Auf der Heimfahrt am Nachmittag gab es ein Gespräch über die gerade schwappende Regensburger Porno-Abmahnwelle und das richtige Verhalten für Betroffene. Zur klanglichen Abrundung des Themas gab es danach den Beischlafevergreen schlechthin: “Je t’aime” – nicht nur angespielt und dann gschamig ausgeblendet, sondern bis zum allerletzten Stöhnen lustvoll ausgereizt, während ich auf der B 8 sanft dahinschaukle. Mon dieu! Und das war der vermeintlich verstaubte Staatssender öffentlich-rechtliche Bayerische Rundfunk? Ob Horst das weiß? Chapeau!

Letzthin hörte ich da Peter Cornelius, den nur Alte Menschen meiner Generation kennen dürften. In der “Gib mir dei Telefonnummer!”-Nummer geht es darum, dass ein Herr sich verwählt und die Stimme der versehentlich Antelefonierten so betörend findet, dass er sie um ihre Nummer bittet, weil sie sonst “net zamkumma” könnten. Ich sitze also im Auto und denke darüber nach, wieso das Dummchen wegen der Nummer so eine Welle schiebt. Er könnte einfach auflegen und auf die Wahlwiederholung schauen. Oder aufs Display. Und wenn sie sich mit ihrem Namen meldete, könnte er sie doch auch googeln! Dödel, der! Dann fällt mir ein, dass dieses “Lied” zu einer Zeit geschrieben wurde, in der Telefone Kabel, Wählscheiben und keinerlei Extras hatten, grün oder orange waren, in der Bands noch “Gruppen” hießen und in der “Je t’aime” niemals bis zum Schluss ausgespielt worden wäre.
Früher war eben doch nicht alles besser.

Einen gehörigen Abend wünscht
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Wunschflunsch

Geschrieben am 4. Dezember 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Alle Jahre wieder gibt es nicht nur den Novemberblues, den völlig überraschenden Wintereinbruch mitten im Winter und den Plätzchenüberdruss schon vor dem 3. Advent: Es dräut auch jährlich die Frage nach dem jeweils passenden Weihnachtsgeschenk.
Der Festwahn wurde in den hiesigen Hallen in den letzten Jahren allmählich heruntergefahren. Tatsächlich bin ich es leid, mich mit dem MamS alle Jahre wieder z.B. über die Verweildauer des Weihnachtsbaums zu streiten. Während er das Schmuckgeäst am liebsten schon am 27. entsorgen würde, braucht es meinerseits ein dickes Fell und Überredungskunst, damit ich das teure Getänn bis Silvester betrachten darf. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, aber es ist gut möglich, dass wir heuer erstmals überhaupt keinen Baum haben werden. Sollten sich aber Mutter und das Brüderchen doch noch am Heiligen Abend einfinden wollen, werde ich schon noch ein paar benadelte Zweige auftreiben können.

Dixie wird wegen des Auszugs und eines Finanzknüppels, den ihr das Advokatengesocks zwischen die Beine zu werfen beliebte, am ehesten auf Bares spekulieren. Auch der kleine Hank ist über das Wunschzettelmalalter inzwischen hinaus. Weil die Begierden eines noch Fünfzehnährigen einem beinahe wöchentlichen Wechsel unterliegen und teilweise recht fremdartig anmuten, wurde er zum Thema befragt. “Ich wünsch’ mir ne PS3, die gibt’s gebraucht ganz günstig!”, beschied uns der Bub. Diplomatisch kann er ja, Respekt.
Beim MamS blinkten die Fragezeichen in den Augen. “Er meint eine PlayStation!”, klärte ich auf und mit dieser Bezeichnung konnte nun auch der so technophobe MamS was anfangen. “Kommt nicht in die Tüte!”, schnauzte er und dass ihm sowas ja nicht ins Haus komme.

Nun muss man wissen, dass dem MamS jegliches Verständnis für in Elektronik gründende Zerstreuung fehlt. Computerspiele, Handys und moderne Geräte außer der Mikrowelle hält er für üble Zeitverschwendung. Ein Fußballplatz, Freunde und der nahe Wald sind nach seinem Empfinden absolut ausreichend fürs subadulte Amusement. Hanks Einwurf, dass jeder seiner Kumpels eine Xbox oder mindestens eine PlayStation besitze, zog jedenfalls auch diesmal nicht.

Jetzt hoffte der kleine Hank auf mütterliche Schützenhilfe und sah mich bittend an. “Wenn ihn jemand rumkriegt, dann Du!”, flehte sein Blick, aber den Gefallen konnte ich ihm nicht tun. Ich verwies darauf, dass er sich aus den Früchten seines Ferienjobs vor zwei Wochen ein Smartphone der neuesten Generation geleistet habe sowie einen Fernseher. Außerdem hat er einen PC, mit dem er sich jederzeit durch die Weiten der Welt klicken kann plus gängiges Daddelmaterial. “Wenn Du mich fragst, bist du mit deinem derzeitigen E-Equipment ausreichend versorgt”, zerstörte ich seine Hoffnungen und bat ihn, sich doch was anderes zu überlegen. Eine Spielkonsole könne er sich selbst kaufen, wenn er mal wieder bei Kasse sei. Dagegen kann dann ja wirklich niemand was haben.

Ich bin elektronischen Neuanschaffungen gegenüber grundsätzlich recht aufgeschlossen, das weiß der kleine Hank, deshalb sah er meine Argumente irgendwann ein. Die Zeit wird kommen, in der wir ihm mit einem Zuschuss fürs Auspufftuning eine Freude machen können, das wird das Schenken erleichtern. Das hartnäckige Verweigern des MamS mit dem verbalen “Das kommt mir nicht ins Haus!”-Totschläger wird jedenfalls irgendwann neu verhandelt werden müssen.

Es könnte gut sein, dass der MamS aber auch nur um die Vorherrschaft über den Fernseher fürchtet und sich Horden hartnäckig verweilender Halbwüchsiger chipskauend und mit stimmbrüchigem Jauchzen ins Wohnzimmer imaginiert oder gar seinen Sohn abgemagert, langhaarig und auch so riechend in einer Halde ausgetrunkener Energydrink-Dosen mit leeren Zombieblick und chronischer Nintendovaginitis vor dem Bildschirm sieht, bleich den Controller umklammernd wie einst Gollum seinen Schatz. Alles nachvollziehbare Bedenken, die ich überhaupt nicht teile. Trotzdem denke ich: Kommt Zeit, kommt Konsole. Nur nicht am 24. in diesem Dezember.

Einen erfüllten Abend wünscht
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Blümerant

Geschrieben am 30. Oktober 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Nicht unerhebliches Gewicht bei der derzeit pressanten Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz legt der kleine Hank auf den pekuniären Aspekt. Dank des gnadenlosen Brutto-Netto-Rechners wird manch kindliche Freude aber recht schnell ein wenig getrübt. Von Abzugsbeträgen wie Kranken- und Rentenversicherung sowie anderen, unvermeidlichen Pöstchen hat er in der Schule ja bisher nur am Rande gehört. “Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir”. Meine Güte!
Eben entspann sich also dieses Gespräch:

Er so: “Ah ja. Und der Betrag für die Rente wird dann für mich auf ein Konto eingezahlt.”
Ich so: “Nee. Damit zahlst Du die Rente für die heutigen Rentner.”
Er so: “What? Was soll das denn? Ich kenn’ die doch alle gar nicht!”

Dann werde ich dem kleinen Hank nun mal die Sache mit Blüms “sicherer Rente” und dem Generationenvertrag erklären; er wird behaupten, nie was unterschrieben zu haben. Und in diesem Fall glaube ich ihm sogar.

Eine gewinnbringende Nacht wünscht
moggadodde

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