THINK!

Geschrieben am 31. Mai 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Es ist erschütternd: Nach brandneuen Untersuchungen, die die Anstaltsleiterin ich hier an zwei Kindern Testgruppen durchführte, ist die Bedeutung selbst der gängigsten Sprichwortgassenhauer zum größten Teil unbekannt. Lediglich das geflügelte Wort vom vor der Apotheke kotzenden Pferd war dem kleinen Hank angeblich bereits einmal untergekommen, Dixie punktete hier und darüber hinaus beim Spatz und der Taube, was sicher ihrem höheren Alter geschuldet ist.
Vielleicht würde eine solche Erhebung, auf einem x-beliebigen Schulhof der Republik wiederholt, dieselben, enttäuschenden Ergebnisse zeitigen. Schon mal da könnte man zudem die Frage aufwerfen, ob es sich um ein Potenzmittel beim Aphorismus oder beim Aphrodisiakum handelt. Fiftyfifty. Eine faire Chance. Und Gesichter voller Fragezeichen …

Zugegeben: Der “sittliche Nährwert”, wie der MamS es nennen würde, ist bei der Mehrzahl der altbackenen Sprichwörter eher gering. Trotzdem sind sie nützlich als erzieherisches Instrument (z.B. als ich dem sehr kleinen Hank einst oberlehrerhaft beschied, dass der Teufel in der Not schließlich auch Fliegen fresse, und er jetzt Himmelnocheins mit dem angebotenen Lutscher zufrieden sein sollte, statt weiter nach der Palette Überraschungseier zu geiern) oder als Smalltalk-Füllsel sowie zur Auffrischung dräuender Gesprächswüsten. Ich persönlich finde ja, wir sollten viel mehr Sprichwörter in unseren tristen Alltag bringen!

Das heutige Rätsel nach langer Zeit (Totgesagte leben länger!) bleibt natürlich bei diesem Thema. Bei richtiger Deutung des Fotos aus meiner Küche

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ergibt sich ein geflügelter Sinnspruch. Zugegeben, es ist diesmal wirklich nicht einfach. Aber einige Sprichwörter sind es ja auch wert, nicht in Vergessenheit zu geraten.
Was als Preis winkt, weiß ich selbst noch nicht so genau. Aber dass Eure kleinen, vernachlässigten grauen Zellen trainiert werden, ist doch jede Anstrengung wert, oder?

Hautnei!

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Auszugsmarsch

Geschrieben am 24. Mai 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Kurz vor Auszug und ich habe den Kopf voll mit Dingen, die geregelt werden wollen! Weil es Dixies erster Umzug ist, sind manch lästige Erforderlichkeiten noch nicht in ihren, in flatterhafter Glückseligkeit mäandernden Gehirnwindungen angekommen.

Mühsame Dinge wie der Vergleich von Assekuranzangeboten (Privathaftpflichtversicherung? Brauch’ ich sowas?), das Ausgoogeln verbrauchsgünstiger Geräte (1000 Touren? Und was mach’ ich, wenn die Waschmaschine die hinter sich hat?), das Organisieren von Transporter, willigen Möbelaufbauhelfern, funktionstüchtigem Werkzeug … etzeterapeepee. Aber ich will mich gar nicht beschweren: Ehe sie sich fragwürdigen Kram aufschwatzen lässt, geblendet von einem auch nur halbwegs ansprechend aussehenden und charmant parlierenden Weißwarenverkäufer, von dem sie sich lieber die Handynummer als den Stromverbrauch nennen lässt, bin ich besser behilflich. Zeige einem Baumarktmitarbeiter an seinem Computer, wie man das von uns bereits online ausgesuchte Stück aufruft oder überführe mittels penetranter Nachfrage gleich zwei Medienmarktmenschen, dass der auf der Website offerierte Herd eben doch Kochplatten und kein Kochfeld hat. Für Unerfahrenheit, Blauäugigkeit oder gar Flirtgeplänkel ist da kein Platz. Zugegeben: Irgendwie habe ich an der Sache ja auch meinen Spaß und nun, da sich das gemeinsame Zusammenleben allmählich dem Ende zuneigt, kommt trotz des töchterlichen Stolzes angesichts der künftigen, fantastischen Aussicht

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meinerseits massive etwas Wehmut auf.

Selbst der sonst so kopfgesteuerte MamS bekennt, dass ihm die morgendliche Unterhaltung mit ihr fehlen wird und manche Gewohnheiten, Marotten aber auch Ärgernisse gehören bald der Vergangenheit an. Das gemeinsame Samstagsfrühstück wird es nicht mehr geben. Haargewölle im mal wieder verstopften Abfluss allerdings auch nicht oder lautstarke Geschwisterkabbeleien um die letzte Scheibe Gelbwurst sowie Spülmaschinenausräumpflichten (Ich mach oben und du unten!). Und der hier gern mal “vergessene” Müllsack wird im eigenen Heim sicher nicht erst dann entsorgt, wenn er Beine bekommt. Nach der ersten, höchstselbst zu löhnenden Nebenkostenabrechnung wird möglicherweise sogar auch nicht mehr jeder Fummel nach zweistündigem Tragen sorglos in die Wäsche gepfeffert.

Ein Problem habe aber selbst ich trotz meiner perfektionistischen Ader bisher übersehen: Für rechtzeitigen Nachschub von Nagellackentferner, Bodylotion, Abschminktüchern, Wimperntusche, Tampons, Haarspray und sonstigem Weiberklimbim muss ich nun selbst sorgen und kann mich nicht mehr aushilfsweise bei Tochtern bedienen. Ich werde nicht mehr wissen, wieso, mit wem und wie lange sie wo ist. Ich werde mir nicht mehr eben ein Abendkippchen borgen oder Dixie damit beauftragen können, ihren Bruder vom Fußballtraining/Kumpel/Shopping zu holen, ein Kilo Espressobohnen aus der Stadt mitzubringen oder ihre angeschickerte Gebärmami vom Stammtisch in die dörfliche Heimstatt zu kutschieren, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wir werden es nicht leicht haben. Nabelschnüre werden im Leben wohl zweimal mehrmals abgeschnitten.

Seufzend
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Meublemondieu!

Geschrieben am 11. Mai 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Nur eine von so vielen, so verzwickten, so enervierenden und so zeitraubenden Entscheidungen:

Farbgefühle


Ein halbes Wochenende haben wir in Möbelhäusern und Baumärkten verbracht und immerhin mal die pressantesten Möbel ausgesucht: Couch, Bett, Schrank und TV-Tisch.
Meine blödsinnige Idee, die rote und noch nicht mal bezahlte Lieblingsjacke zum gut gefüllten und tropisch temperierten Pressspanschweden mitzunehmen, sorgte für zusätzlichen Zeitverlust: Zweimal hetzte ich durchs halbe Haus, weil ich sie irgendwo vergessen hatte. In der Kassenzone würde sich ein Schuster mit angeschlossener Fußambulanz ganz sicher rentieren, bei den Strecken, die der Kunde dort auf den Tacho kriegt.
Langsam tasten wir uns nun an die Küche heran.

Seufz.
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Deine Mudda-Tag

Geschrieben am 11. Mai 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Eigentlich haben wir hier in Casa Mogga die Losung ausgegeben, Beutelschneiderspektakel wie Mutter- und Vatertag geflissentlich zu ignorieren.
Selbstredend freute ich mich einst über krakelige Gemälde mit windschiefen Blumen, Baumkrüppeln und Menschenabbildungen, die Familienaufstellungen ähnelten und begutachtende Psychotherapeuten in den Suizid getrieben hätten. Ebenso war ich entzückt über getonte Schälchen Aschenbecher, Dinosaurier und gewebtes Flickwerk, das schon bei Erhalt die Frage aufwarf, wie es alsbald und unauffällig den Weg in Keller oder Müll finden könnte. Aber das war in Kindergartenjahren und kostete nichts außer Zeit, die die Kleinen dort ohnehin im Überfluss hatten.
Gekaufte Geschenke zu diesen Anlässen braucht kein Mensch. Besser, man pflegt auch unterm Jahr ein herzliches, liebevolles und vernünftiges Miteinander, trotz aller Streits und Differenzen, die das Salz in der Sippschaftssuppe sind, als sich einmal im Jahr mit einem Geschenk freizukaufen und für die Restzeit wie ein verdammter Arsch mit Ohren zu gebärden.
Trotzdem lassen es sich meine Schoßfrüchte nicht nehmen, an den Stichtagen mit einer Kleinigkeit aufzutauchen. Ob eine Toblerone im Warentrennerformat oder Tankstellenblumen in Knisterplastik: Natürlich freue ich mich trotzdem, wäre aber absolut nicht enttäuscht, wenn das alberne Muttertagsgewünsche ausbliebe. Ich weiß selbst, dass ich Mutter bin und brauche niemanden, der mich daran erinnert.

Besonders der kleine Hank ist allerdings ein hartnäckiger Muttertagshypeverweigerer-Veweigerer. Und als ich vorhin in seinem Zimmer die geleerten Wasser- und Saftflaschen aus dem offenbar zu großen Bett pflückte, hielt ich plötzlich eine Flasche feinsten Schaumbads in Händen. “Oh!”, entfuhr es mir und kaum hatte ich’s gesprochen, verfluchte ich meine schnelle Auffassungsgabe. Im Bruchteil von Sekunden wusste ich, was und für wen das Fundstück war, zum unbemerkten Zurücklegen war es zu spät. “Na, klasse, Mudda!”, nölte das Kind und “Du bist so blöd, ey!”, eine Verbalinjurie, die unter normalen Umständen zu angemessener Reaktion, angesichts des Geschehenen aber mitnichten zum Verdruss meinerseits führte. Ich rechtfertigte mich, dass ich immerhin so gütig war, dort tagelang gehortete Pfandflaschen aus seiner verramschten Schlafstatt zu entfernen, wusste aber um die Dimension des Angerichteten. “Oh Mann, tut mir leid!”, beteuerte ich, aber er war noch ein bisschen eingeschnappt. Dann beschied ich, dass wir ganz einfach heute den eben erfundenen “Deine Mudda-Tag” begehen. Am Sonntag feiern könnte schließlich jeder.

Mit einem Gläschen Sprizz betrat ich das Zimmer erneut und ließ mir feierlich das Limetten-Minze-Schaumbad überreichen, bedankte mich und ließ mir mangels Lesebrille die Ingredenzien vorlesen. Er sprudelte heraus, dass sein Kumpel das Gleiche für dessen Mutter gekauft habe und dass er eigentlich das mit der Bezeichnung “Jungbrunnen” nehmen wollte, was ihm aber dann blöd vorgekommen sei weil es bedeute, dass er mich für alt halte und das wollte er nicht und deshalb das Produkt mit dem Namen “Lebensfreude” gewählt habe. Das Schaumbad reiche für 8 Vollbäder, referierte er aus dem Stegreif, und sei auf Hautverträglichkeit untersucht. Außerdem passe es auch optisch zu den Duschbädern, die ich im Bad auf dem Fensterbrett horte. Meine Güte. Macht dieses Kind sich einen Kopf!

Nun passierte es nicht zum ersten mal, dass mir in seinem Zimmer aus völlig unverfänglichen Absichten Geheimobjekte in die Finger fallen, zuletzt, als ich beim Einräumen von Bettwäsche in seinem Schrank auf eine Flasche Vodka mitsamt Jägermeisterbegleitung stieß. Auch wenn ich froh war, dass mir diese verbotenen Promillefrüchte so schnell in die Hände fielen (es fehlten nur zwei Fingerbreit, angeblich gruppenverkostet bei einer Faschingsparty im Nachbardorf), braucht es schon eine gehörige Portion Naivität, um solch absolute Heimlichware an so offen zugänglichen Orten zu deponieren.

Die Erziehungsstrategie hinsichtlich Mutter- und Vatertag hat nicht funktioniert. Aber es gibt ja noch genug didaktische Felder zu bestellen. Die nächste Übungseinheit wird sein, wie man erfolgreich Dinge vor seiner Mutter versteckt: Unterm Bett. In einer Ecke des unverschlossenen und chaotischen Kellers. Im Abfalleimer des Zimmers. In den Winterjackentaschen. Zwischen Schulkrempel. In einer der 20 vorhandenen Muffelsporttaschen. Das alles sind Orte, die ich aus Gründen auch aus Versehen nicht frequentieren würde. In seinem Alter hatte ich todsichere Verstecke für alle Arten von Geheimware, die meine Mutter nicht mal mit gezielter Suche und einem Detektor hätte ausfindig machen können! Himmelnocheins! Muss man der Jugend von heute denn alles beibringen? Die brauchen doch nicht nur Geheimnisse, sondern auch Tricks, wie sie im späteren Leben Geschenke vor dem vorzeitigen Zugriff ihrer Lieben schützen!

Eine lehrreiche Nacht wünscht
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Do not discount on me!

Geschrieben am 9. Mai 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Heute musste ich nochmal schnell bei Lidl, wie der Ruhrpottler sagt. Basilikum, Zahnpasta und Kräuterbutter, letzteres für die morgige Grillpremiere, waren meine Beute. Am Kassenband angekommen, waren da ein Pärchen sowie davor eine Dame mit üppig gefülltem Wagen. Die beiden fragten die Dame, ob sie sich denn eben vor sie einreihen könnten und sie bejahte. Während das Pärchen aufs Abkassieren des Kunden vor ihm wartete, fragte ich die Dame mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht und mit abgezähltem Geld in der Hand, ob ich mit meinen drei Winzwaren vielleicht nicht auch … “Nein”, beschied mir die Dame. Sie habe die beiden nur vorgelassen, weil sie ihre (gefühlt Legionen) Artikel noch aufs Band räumen musste, was sie noch immer tat, während sie mit mir sprach.
“Aha”, antwortete ich und legte artig meinen Einkauf hinter den inzwischen placierten Warentrenner (Trennholz, Kassiererschranke, Dingsiseparierer) und dachte nach. Zeit genug hatte ich ja nun.

Ich übergrübelte meine Gepflogenheiten bei ähnlicher Gemengelage. Räume ich den Inhalt meines Wochenendeinkaufswagens aufs Band und sehe, dass der Nachfolgekunde einigen, wenigen Kleinkram in Händen hält, lasse ich ihm den Vortritt, sogar ohne, dass er danach fragt. Auch der Danachkunde kann mit meinem Wohlwollen rechnen, sofern ich nicht bereits final auflud und er nicht gerade überdimensionalem Shoppingverhalten frönte. Und wenn jemand nett fragt, winke ich ihn sowieso meistens durch, wenn nicht gerade jemand mit laufendem Motor, ernsten Zeitproblemen oder einem Harndruckdilemma im Auto auf mich wartet.

Bin ich etwa ein dummes Schaf, das sich von cleveren Kaltschnäuzig-Kunden ausnutzen lässt? Eine Idiotin, übers Ohr gehauen von frechen Zeitfressern? Bin ich dumm wie ein Strauch Bohnenstroh?

Noch hinter der dummen Tussi Dame mit meinen drei kümmerlichen Artikeln geduldig wartend zog ich ein Resümee: Ich werde mir sicher kein Beispiel nehmen an der hochnäsigen und selbstgerechten Art dieser Person. Weiterhin werde ich Kundenkollegen mit ein paar kümmerlichen Gütern den Vortritt lassen. Und, aufgemerkt, vielleicht sogar ungefragt. Weil ich einfach freundlich bin. Und mitfühlend. Und ein Mensch, der nicht nur an sich, sondern auch an andere denkt. Hört sich komisch an? Ist aber so.

Eine geduldige Nacht wünscht
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Die den Hals nicht vollkriegen

Geschrieben am 27. April 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Schade, dass mir gerade heute, zur Spargelpremiere in den hiesigen Hallen, so sehr die nicht mehr vorhandene Galle kocht.
Dass sich Wurst-Uli mit seinem dummen Steuerfoul in Reputationsabseits gezockt hat … geschenkt. Er ist schließlich nicht der erste A bis F-Promi mit bisher tadellosem Leumund, der blind vor Gier über das Strafgesetzbuch stolpert oder sich zumindest in den Fallstricken der Grauzone verheddert. Vorbilder in der Politik hat man als ambitionierter Pharisäer ja reichlich: Niebel und die Teppiche, Süssmuth, Schmidt, von der Leyen und die Dienstwagenaffären, Özdemir, Gysi und privat verballerte Bonusmeilen, Trittin und Künast und die Flugbereitschaft, die Liste ließe sich noch seitenlang fortsetzen.

In dieser Woche kamen ja erneut zumindest zweifelhafte Selbstbedienungspraktiken von einigen bisher respektierten Abgeordneten im Bayrischen Landtag ans Licht des weißblauen Himmels. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Schmid zum Beispiel beschäftigte seine Ehefrau fürs Home-Office. Sie nehme in seiner Abwesenheit schon mal Telefonate entgegen und leite erste Schritte ein, offenbarte er in einem Interview. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses Winter hingegen stellte gegen Ende 2000, kurz vor einer dies untersagenden Gesetzesänderung, seine damals 13 und 14 Jahre alten Söhne für Computerfragen auf die Gehaltsliste.
So gesehen sind der kleine Hank und ich ganz schön blöd, dass wir uns unsere Bemühungen, dem technikdebilen MamS endlich das Simsen beizubringen, Termine zur Physiotherapie zu vereinbaren oder ihn für nervtötende Meinungsumfragenanrufe zu verleugnen, nicht auch versilbern lassen. In meiner Unbedarftheit dachte ich immer, das seien Leistungen, die zum innerfamiliären Tätigkeitsbild gehören. Offenbar dachte ich falsch.

Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass die Etymologie des Wortes “Moral” so unklar ist, wie dessen Bedeutung offenbar manchen Menschen, die ebenso “Anstand” einzig als Beobachtungsposten eines Jägers kennen. Raffgier, Amigogeklüngel und Selbstbevorteilung prägen große Teile des Politikzirkus, der Haute-Volée bis hin zur Bussi-Bussi-Gesellschaft und sonstiger Semiprominenz.

In einer kurzen Minute der Selbstkritik hinterfragte ich mich selbst: Würde ich an der Stelle dieser Leute genauso handeln? Würde ich auch jedes Schlupfluch auf Zugewinn suchen und ausnutzen? Allein aus Steuerspargründen nach Monaco, in die Schweiz oder Österreich ziehen? Scherte ich mich auch einen feuchten Furz um Ehrgefühl und Gerechtigkeit? Schließlich habe ich irgendwo im Keller doch auch den längst überholten “Konz” mit den 1000 ganz legalen Steuertricks!

Ich glaube nicht. Meine bisher einzige, erinnerliche Verfehlung zum Nachteil anderer war der Diebstahl eines Päckchens Wrigleys Spearmint im Alter von 12 Jahren und sollte ich nur eine Stange Zigaretten zuviel über die Grenze schmuggeln müssen, würde mir jeder blutige Zöllnerlehrling das schlechte Gewissen bereits aus großer Entfernung auf der Stirn ablesen können. Es fehlt mir halt einfach, dieses spezielle Betrü-Gen.

Problematisch für mich ist, dass man offenbar niemandem vertrauen kann, völlig egal, was er von sich gibt, verspricht, fordert, anmahnt. Man sei “durchblutet und beseelt vom Willen des Erfolges”, sagte Seehofer eben auf der Vorstandsklausur. Um bei seinen blumigen Worten zu bleiben, bin ich nach den Vorgängen der letzten Woche, die bei näherer Beleuchtung sicher nur das Ufer eines anrüchigen Sumpfs bilden, durchblutet und beseelt von tiefem Misstrauen gegen jeden, der mich salbadernd auf seine Seite zu ziehen versucht. Es ist noch nicht einmal Wahlkampfzeit und ich habe jetzt schon die Schnauze voll!

“Die moderne Menschheit hat zwei Arten von Moral: Eine, die sie predigt, aber nicht anwendet und eine, die sie anwendet aber nicht predigt”, sagt Bertrand Russell. Und ich bin noch nicht sicher, ob ich am 15. und 22. September nicht vielleicht Besseres zu tun habe, als Kreuzchen hinter Namen zu setzen.

Einen anständigen Abend wünscht
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Zweite Wahl? Scheißegal!

Geschrieben am 16. April 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

In der letzten Zeit peinigte ich den geneigten Leser ja bereits mit Postings bezüglich der unserer meiner Dixies “Traumwohnung”. Dies wird vorerst das letzte zu diesem Thema, versprochen:

Heute informierte uns der Wohnungsvermittler, dass der ausgesuchte Kandidat vom Vertrag wegen Krankheit zurückgetreten sei. Wir seien die “Nachrücker” und wenn wir wollten, könnten wir sie haben.

Unerwartet teilnahmslos reagierte ich, hatte ich doch damit erst frisch abgeschlossen. Der Vermittler bemerkte das gleich und fragte, ob ich mich denn nicht freue. Ich tat es, aber nicht so, wie ich mich noch vor zwei Wochen gefreut hätte. Seltsam.

Trotzdem, jetzt ist amtlich: WIR HABEN SIE! Dixie und ich haben jetzt viel zu tun, nachdem der MamS mit seiner Bröselschulter tapezier-, putz- und tragetechnisch einige Wochen ausfallen wird. Aber es besteht ja keine Eile.
Notfalls setzen wir uns eben auf den Balkon, lassen uns die Sonne auf den Pelz scheinen und freuen uns, dass das Würzburger Wohnungswunder doch noch Wahrheit wurde.

Und jetzt: Sekt für alle!

moggadodde

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Unter Schulter- und anderen Dächern

Geschrieben am 15. April 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Die Trauerwoche ist vorbei. Wie ich heute testete, kann ich an dem Haus, das nun doch nicht wieder “unser” Haus wird, immerhin vorbeifahren, ohne einen Stich in der Magengend zu spüren. Wenn ich nicht hinsehe, gelingt es ganz gut.
Ein Stück meines fast krankhaften Tunnelblick-Optimismus’ habe ich wohl endlich eingebüßt. Dass ich mit etwas Abstand immer tiefer davon überzeugt bin, dass nicht Vorsehung, sondern Vetterleswirtschaft im Spiel war und wir nur als Mietinteressenten-Darsteller fürs Protokoll agierten … scheiß der Hund drauf Schwamm drüber.

Tunnel


Viel wichtiger ist der Tunnelblick des Operateurs, der dem MamS gleich das Chaos unter dem Schulterdach richtet. So, wie ich das als ambitionierter Laie übersehen kann, wird das ein Routineeingriff. Schlummerspritze, ein bisschen Arthroskopieren, Fräsen, Sägen, Saugen, ein paar Tage Vollpension und Schwesternservice ans Bett und nach einigen Wochen Physiotherapie ist er wieder der alte Badminton-Crack, der sich schmerzfrei und windhundflink eine Jacke anziehen und klaglos seinem anderen Hobby Staubsaugen nachgehen kann.

Eben fuhr ich ihn in die Klinik. Durch YouTube-Clips, Foren und Orthopädieseiten ist er jetzt so umfassend informiert, dass er den Eingriff eigentlich selbst vornehmen könnte, wäre er nur ein bisschen gelenkiger.

Zwar befleißigt sich der MamS zuweilen eines etwas bizarren Humors. “Du weißt ja, wo das Testament liegt?”, “Wenn ich nicht wieder komme, hast Du einen guten Schnitt gemacht!” oder “Die Kollegen haben schon die Kondolenzkarte für Dich besorgt!”, verkündete er. Ich konterte, dass er sein Augenmerk lieber der Hoffnung widmen solle, weder ein Schnarchtier noch eine Plaudertasche als Zimmergenossen zu bekommen, sondern einen Fernseher für die Fußballübertragungen. Ihm als Krankenhausnovizen habe ich da nämlich einen gehörigen Wissensvorsprung: Mehrbettzimmer sind der moderne Vorhof der Hölle.

Nun habe ich einige Tage die Lufthoheit über die Fernbedienung und die seltene Freiheit, Wein-, Kaffee- und sonstige Flecken oder abgebissene Pizzastücke so lange anzuschauen, wie mir danach ist und überhaupt wird der Sauberkeitsstatus unter diesem Dach auf mein persönliches Wohlfühllevel heruntergeschraubt. Vorhin noch hat er den kleinen Hank augenzwinkernd zum Interimsfamilienoberhaupt ernannt, der sich “von den zwei Weibern bloß nichts sagen lassen” solle. Ich befürchte allerdings, damit hat er den null Bock-Hank zum Gärtner gemacht ein ordentliches Eigentor geschossen.

Es lebe die Anarchie!

moggadodde

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Ausgewundert

Geschrieben am 5. April 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Das Würzburger Wohnungswunder ist ausgeblieben. Zwar glaube ich nach dem Absagetelefonat, dass von Anfang an absehbar war, dass wir nicht die Auserwählten sein werden und mit der Einladung von drei Interessenten nur der Form genüge getan wurde. Aber das ändert nichts. Es gibt eben keine Wunder.

Ich könnte heulen. Und ich tu’s auch. Und danach: Mund abputzen, weitermachen.

Enttäuscht,
moggadodde

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Es ist bestimmt Bestimmung!

Geschrieben am 27. März 2013 | Abgelegt unter Daily Soap

Nach den letzten, eher unerquicklichen Vorkommnissen war es ja höchste Zeit für eine positive Episode. Die alte Schlampe Schicksal ahnt das wohl, jedenfalls stehen wir wohnungssuchtechnisch einen winzigen Schritt vor einer schier unglaublichen Sensation.

Direkt nach dem Mansardenfiasko im vorletzten Eintrag klapperte ich einmal mehr online die Wohnungsanbieter ab. Nur ein Angebot passte und als ich auf das Objektfoto klickte, glaubte ich an einen Zufall, zeigte es doch das Haus, in dem ich einmal wohnte.
Ich sah mir das Angebot genauer an: Selbes Stockwerk. Ach, witzig, dahin wurde ich ja damals ausgewildert … Mooooment. Jetzt warf ich einen Blick auf den Wohnungsplan und erstarrte: Hier wurde haargenau, exactement und unzweifelhaft dieselbe Wohnung angeboten, die mir nach dem Auszug aus dem elterlichen Wohnschoß vor unendlich vielen Jahren allererstes, eigenes Zuhause war.

BettzeitHerrenbesuch


Schnappatmung überfiel mich. Minutenlang. Ich meine, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit in einer 130.000 Einwohner-Stadt mit 13 Stadtteilen genau dieses Haus zu erwischen und in diesem mit seinen 40 Parteien wiederum auch noch genau diese Wohnung? Das ist kein Zufall, das ist Bestimmung!

Mit zitternden Fingern schrieb ich die Kontaktmail, in der keine weiteren Bemerkungen möglich waren. Um 8.02 Uhr am nächsten Morgen rief ich an, um dem Sachbearbeiter die Lage zu erklären. Dass ich um 1985 herum für zwei oder drei Jahre dort wohnte. Er könnte das auch im Archiv nachsehen, ich nannte das Jahr und meinen damaligen Namen. Beteuerte, dass das die beste Zeit meines Lebens war (o.k., das war etwas frisiert, hatte im vorliegenden Fall aber fast ehrenhafte Gründe und ist damit lässlich). Und dass meine Tochter damit jetzt die Chance hätte, diesen einschneidenden Lebensabschnitt in genau den Räumlichkeiten anzutreten wie einst ihre Mutter. Das sei doch glasklar und unzweifelhaft höhere Gewalt! In der Disziplin “rührselige Erinnerungen verbreiten” hatte ich im MamS einen guten Lehrmeister; ich trug dick auf, ohne jedoch zu übertreiben. Dem Herrn über Wohn und Wehe am anderen Ende wollte ich ja nicht zu sehr auf die Nerven gehen, sondern nur zu der unverrückbaren Erkenntnis bringen, dass Dixie die einzig mögliche Mieterin für dieses Objekt sein kann.

Er machte sich Notizen und heute lag die Benachrichtigung im Briefkasten: Besichtigung mit zwei anderen Interessenten nächste Woche. Selbstverständlich werde ich Dixie, die bei solchen Auftritten meist durch übertriebene genante Zurückhaltung glänzt, begleiten. Die anderen beiden Alibi-Aspiranten dürfen nur Staffage sein. Es kann nur eine geben! Es darf nur eine geben! Es ist schließlich Bestimmung!

Bitte Daumen drücken!
moggadodde

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