Zahlzheimer

Geschrieben am 16. Januar 2012 | Abgelegt unter Daily Soap

Manche meiner Einfälle sind ja besser als andere. So hatten wir Dixie zu ihrem Geburtstag Karten für ein Basketballspiel der s. Oliver Baskets geschenkt, Innenraumkarten, weil Tribünenplätze für das Spiel gegen die Artland Dragons nicht mehr zu bekommen waren.
Nun ist es leidvolle Erfahrung von Innenraumzuschauern der winzigen viel zu kleinen Turnhölle s. Oliver-Arena, dass halbwegs gute Plätze nur bei sehr frühzeitigem Eintreffen in der Halle zu ergattern sind, Gedrängel inklusive, und deshalb hatte ich heute morgen spontan die Idee, für das gerade zum Verkauf freigeschaltete Spiel gegen Bremerhaven einen Tribünenplatz klarzufahren und die Innenraumkarten fürs andere Spiel anderweitig abzugeben.

Bei der Onlinebuchung muss der Käufer allerdings schnell sein. Tribünentickets sind, soweit nicht ohnehin in Dauerkarteninhaberhand, rarer als Gänseblümchen auf der Zugspitze, aber ich hatte Glück und erwischte einen Platz beinahe genau vor Unseren! Yeah! Also fix durch den Buchungsvorgang geklickt, um wie immer mit der Kreditkarte zu bezahlen. Ich gab die Daten ein, aber das System zickte. Also nochmal. Wieder monierte das System die Gültigkeitsdauer meiner Karte. Und nochmal. Wieder nix. Leicht genervt wählte ich als alternative Zahlungsart nun das Lastschriftverfahren und flugs flutschte der Vorgang. Geht doch.

Der vermeintlich Schuldige war ausgemacht. Sofort rief ich bei der Bank an:

Ich so: “Hörnsiemal! Ich wollte eben eine wichtige Zahlung vornehmen und stelle fest, dass meine Karte schon seit 7/12 abgelaufen ist! Wieso werde ich von Ihrem Institut da nicht benachrichtigt, von einer neuen Karte gar nicht zu reden?”

Callcentergirl so: “Wie? 7/12? Ihre Karte gilt doch noch bis Juli!”

Pause …. denk …. Pause

Ich so: “Ach. Oh. 2012 hat ja erst angefangen. Stimmt ja eigentlich”.

Ich entschuldige mich jetzt und gebe der Dame kleinlaut die offizielle Erlaubnis, mit der Geschichte von der irren Kundin, die nicht weiß, welches Jahr gerade ist, später in der Kantine für schenkelklopfende Erheiterung zu sorgen. Schließlich weiß ich, wenn ich verloren habe.

Am späteren Nachmittag, das Online-Ticket ist bereits lange ausgedruckt, kam mir ein neuer Gedanke. Ich hatte zwar das Feld “Lastschriftverfahren” angeklickt, jetzt, Stunden später ging mir aber auf, dass ich im gesamten Kaufvorgang außer beim fehlgeschlagenen Versuch mit der Kreditkarte gar keine Bankverbindung angegeben hatte. Direkt nach dem Anklicken wurde ich auf die nächste Seite geleitet. Wieso konnte ich das Ticket dann überhaupt drucken?

Sicherheitshalber rief ich nun beim Kreditkartenverein an, die keinen Zahlungsausgang von heute hatten. Dann klingelte ich beim Ticketservice durch um zu erfahren, von welchem Konto diese verflixte Karte denn bezahlt wurde, nicht dass Dixie damit gar nicht in die Halle kommt und bittere Tränen der Trauer weint, weil ihre Schusselmutter irgendwas verbummelt hat.
Der Ticketservicemann bestätigte eine Zahlung. Von meinem Girokonto. Dessen Nummer ich aber heute morgen nirgends (ich schwöre, soweit ich mich erinnere) eingetippt habe. Ich müsste sie aber eingegeben haben, sonst hätte mich das System nicht weitergeleitet, beharrte der Ticketservicemann, dem ich anhörte, dass er mir gleichzeitig in seiner Kartei virtuell schon den Stempel “Vorsicht, Psychopathenkundin!” verpasste. Der Vorgang sei abgeschlossen und alles in feinster Butter.

Schlimme Selbstzweifel beschleichen mich jetzt. Habe ich das tatsächlich getan? Wieso weiß ich davon nichts mehr? Wo komme ich überhaupt her? Bin ich vollkommen bescheuert? Und haben wir wirklich schon 2012?

Einen konzentrierten Abend wünscht
moggadodde

Fest x Zeit ≠ .xls

Geschrieben am 14. Dezember 2011 | Abgelegt unter Daily Soap

Manch einer überlässt in Sachen generalstabsmäßig geplanter Besinnlichkeit an den Feiertagen aber auch nichts dem Zufall. Es wird behauptet, ein gelungenes Fest stehe und falle mit dem Essen und da könnte ich mir von so viel Akkuratesse von einer Dame aus dem supermerkantilen Werbeheftchen wohl noch einige Scheiben abschneiden. Sie beschreibt ihre Vorbereitungen dort so:

”... Die Planung beginnt mit der Auswahl der Gerichte … Meist bereiten wir fünf oder sechs Gänge zu. Wir erstellen eine Excel-Datei, in welcher die Rezepte mit ihren Zutaten aufgeführt werden. Es wird festgelegt, welche Zutaten wann und wo gekauft werden müssen, außerdem der zeitliche Rahmen der Zubereitung …”

Ohje. Das hört sich nicht besonders entspannt an, sondern klingt nach Strapazen, Kasernenhofküchenkommandos und Anwaltsbriefen, wenn der Supermarkt die für 11 Uhr am 24.12. bestellten Wachteln verbummelt hat. Sie hören von mir!

Im Gegensatz hierzu läuft das Weihnachtsfest in den hiesigen Hallen kulinarisch gesehen ja geradezu hippieesk ab. Ich serviere ein gechilltes Käsefondue-Gelage mit einem Hauch zuviel Kirschwasser an gemütlichem Kerzenlicht. Zur Tischdekoration eignet sich die gold-silbrige Rettungsdecke aus dem Auto-Verbandskasten, für die restliche Aufhübschung sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Während obige Dame nach dem Essen vermutlich mittels Flipchartpräsentation die Spülcrews koordiniert, begeben wir uns bereits gemächlich zur Warenausgabe Bescherung. Zum Abschluss gibt’s eine Partie Trivial Pursuit und vielleicht Stirb langsam, Scream oder die Griswolds einen besinnlichen Film.

Auch ohne tabellenkalkulierte Menuefolge werden wir es uns also nett machen. Ein zauberhaftes Fest ist schließlich kein Hexcelwerk.

Einen berechnenden Tag wünscht
moggadodde

Neulich im Himmel: Showtime!

Geschrieben am 12. Dezember 2011 | Abgelegt unter Daily Soap

“Hohoho!”, ruft Santa Claus, “das ist ja mal ‘ne Sahneschnitte!” und schlägt mit der flachen Hand auf den birnenförmigen Hintern der Guten Fee. “Lass das!”, faucht die Fee und klopft dem Santa mit ihrem bonbonfarbenen Zauberstab auf die manikürten Finger. “Denk’ ja nicht, dass du hier was Besseres bist, nur weil du aus Hollywood kommst!” Der Santa kichert dämlich und nippt am seinem Manna. “Hey, Garçon, lass’ mal die Luft aus dem Glas. Und ein bisschen mehr Jacky, wenn ich bitten darf”. 
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Gameday!

Geschrieben am 10. Dezember 2011 | Abgelegt unter Daily Soap

Vergesst Dortmund gegen Schalke! Olvida el Clásico Madrid gegen Barcelona! Never mind Chelsea gegen Arsenal! Das Frankenderby zwischen den s. Oliver Baskets und den Brose Baskets aus Bamberg steigt heute. Und ich bin aufgeregt wie die Katzenberger bei einer Rede vor der UN-Vollversammlung.
Nun zeichnet sich Basketball nicht unbedingt durch eine eher fußballtypische Hooliganaktivität aus, sondern durch meist halbliebevolle und oft augenzwinkernde Gegnerfanschelte und das ist einer der Gründe, warum ich diesen Sport so mag, neben der Tatsache, dass es niemals unentschieden endet. Aber die Fanlager Bambergs und Würzburgs sind nicht unbedingt dafür bekannt, zusammen einen Kuschelurlaub verbringen zu wollen. Sie mögen sich nicht. Gar nicht. Beim Basketball jedenfalls. Da gehen Gesänge und Sprüche auch gerne unter die Gürtellinie und sind von bösartigen heißblütigen Emotionen begleitet.

Das ist nur einer der Gründe, warum ich dem Spiel heute mit gemischten Gefühlen entgegen schaue. Die Würzburger, Frischlinge im Erstligabasketballbusiness, gegen die alten, mehrfachen Meisterhasen aus Bamberg, David gegen Goliath, Opel Corsa gegen Maybach.
Seit mehr als 30 Heimspielen haben die Würzburger nicht mehr verloren. Heute ist diese Serie in ernster Gefahr und für meine Nerven wäre es besser, wenn’s schon vorbei wäre. Andererseits: Gegen einen Maybach mit Motorschaden wird auch ein Opel Corsa zur Rakete.

Wir haben keine Chance. Nutzen wir sie.

Bis gleich in der rot-weißen Hölle
moggadodde

Short Update: Verloren mit 59 : 75. Gegen den Meister kann das mal passieren. Keine unappettitlichen Vorkommnisse, laut emotionales aber überwiegend faires Fanverhalten auf beiden Seiten. Nächstes Ziel: Die Bayern am 23.12. ihrer Lederhosen entledigen. Läuft.

Johnny Crash! The rockin’ tribute.

Geschrieben am 29. November 2011 | Abgelegt unter Daily Soap

Erdbeeren und Pfeffer. Schokolade und Chili. Erdnussbutter und Marmelade. Noch vor ein paar Jahren war es undenkbar, diese Leckereien miteinander zu kombinieren, bis findige Feinschmecker diese Art kulinarischer Liasons salonfähig machten und Gourmets aus aller Welt von der Schmackofatzigkeit dieser auf den ersten Blick eher ungewöhnlichen Verbindungen überzeugten. Jemand muss nur erst auf die Idee kommen!

Ungewöhnlich klang für mich auch das, was ich beim letzten Umsonst und Draußen-Festival in Würzburg hörte. Hier hatte ich nämlich eine höchst unterhaltsame, musikalische Begegnung mit Johnny Crash, einer Band, die zwei absolut unterschiedliche Künstler miteinander vereinigt: Die Songs des unvergessenen Man in Black, intoniert mit dem eher rustikalen Sound von AC/DC sind ein veritabler, ohraler Leckerbissen. Lange zehrte ich von der Erinnerung an den Auftritt im Sommer. Aber jetzt endlich, das Presswerk ist quasi noch warm, haben Johnny Crash ihr Album “Beyond the highway to hell” veröffentlicht.


Die rotzig-freche, unverwechselbare Stimme, oftmals leicht ins Hysterische abdriftend, passt natürlich zu den akkuraten, kraftvollen Klängen, die Fans der verstärkten E-Gitarre erfreuen. Gepaart mit den allseits bekannten Cash-Songs sind sie allerdings genial anzuhören. Wo mir AC/DC schon wieder auf den Geist gehen und The Man in Black mit seinem Trotz und/oder Traurigkeit nervt, von Johnny Crash zusammengeführt trifft beides ziemlich mittig mein Geschmackszentrum.

Seit ich die Scheibe habe, hat sie mir manchen Arbeitsweg versüßt. In tiefdunkler Nacht, noch müde und fast bettwarm, den “Folsom Prison Blues”, “When the man comes around”, “Hurt” oder den “Cocaine Blues” aufgedreht und ich bin bald auf Betriebstemperatur und hellwach. Sämtliche Stücke haben einen unwiderstehlichen Drive und reißen von Beginn an mit. Still bleiben kann ich dabei natürlich nicht und erntete an roten Ampeln schon manch erstaunten Blick. Zu dumm, dass ich im Winter mit geschlossenen Fenstern unterwegs sein muss.

Zu erhalten ist diese wirklich heiße CD ab sofort über die Website von Johnny Crash (einfach schwuppdiwupp per E-Mail ordern). Download bei der amazone ist zwar ab ca. Februar 2012 möglich. Ich persönlich bin aber in manchen Dingen bekanntlich eher oldschool und habe deshalb lieber den Spatz die CD in der Hand.
“Beyond the highway to hell”: Aus meiner Sicht ein absoluter Kauftipp und das nicht nur, aber auch fürs anstehende Weihnachtsfest!

It’s just Rock ‘n’ Roll, baby!

moggadodde

UPDATE: Und wenn Ihr allein meinem Urteil nicht trauen wollt, seht Ihr hier beim Albumcheck eine Kritik, die den Nagel aber sowas von in die Wand hämmert!

Wer ohne Schuld ist …

Geschrieben am 24. Oktober 2011 | Abgelegt unter Daily Soap

Das hatte sich der kleine Hank mal wieder fein ausgedacht: Hält er mir am Montagmorgen um kurz nach 6 Uhr nicht ein leeres Blatt vor die Nase und bittet mich um eine Unterschrift ganz unten. “Wieso das?”, frage ich und er antwortet, dass er die Strafarbeit (wegen wiederholten Quatschens mit seinem Lieblingsquatschnachbarn J.C.) heute in einer der Freistunden schreiben würde. Und weil das eben elterlicherseits unterschrieben sein müsse, sollte ich doch bitte jetzt …

“Nö”, sagte ich. Und ob er denn ernsthaft glaube, das ganze Wochenende hier stinkfaul antriebsreduziert rumhängen zu können und meint, mich in letzter Sekunde damit erfolgreich zu überrumpeln? “Nö”, sage ich wieder.

Natürlich melden sich sofort zwei Stimmchen in mir. Die eine, nachgiebig wie ein Marshmallow überm Lagerfeuer, flötet:
“Unterschreib’ schon! Wenigstens hat er hat ja noch dran gedacht! Und glaubst du, er wird mit dieser Unterschrift eine Waschmaschine bestellen?”

Die andere Stimme hört sich an wie Bruce Willis und lacht höhnisch:
“Klar! Belohne ihn noch für seine Faulheit und dafür, dass er den Kopf immer woanders hat! Demnächst ruft er dann an und fragt, ob Du in die Schule kommst, um zu unterschreiben, weil er’s morgens vergessen hat!”

Ich seufze. Ich mag ja Bruce Willis. Und sage: “Nee, junger Mann. Da musst Du jetzt mal durch. Vielleicht hast Du ja Glück und musst heute noch nicht abgeben. Vielleicht aber doch und dann bekommst Du halt entweder noch einen Anpfiff oder darfst gleich zwei Seiten schreiben.” In jedem Fall sei das eine gute Gelegenheit, für den Umgang mit sicher kommenden, weiteren Strafarbeitsfällen zu lernen, füge ich oberlehrerhaft hinzu und finde mich selbst nicht ganz überzeugend.

“Okay”, sagt er. “Dann mach ich’s eben selbst!”. Er vermeidet das Wort “unterschreiben” in diesem Zusammenhang, wohl wissend, dass miese, kleine Unterschriftenfälscher bei Lehrern und Eltern nicht sehr gut gelitten sind. Und von seiner großen Schwester sollte er wissen, dass das mütterliche Gedächtnis so etwas erst nach erfolgreichem Schulabschluss mit gewissem Gleichmut betrachten kann.
“Schön!”, rufe ich ihm hinterher. “Aber lass dich nicht erwischen!”
“Okay”, antwortet er. “Ich krieg das schon hin!

Das glaube ich ihm sogar. In meiner Schulzeit hab ich das ja schließlich auch immer ganz gut geschafft. Aber das schlechte Gewissen und die Flugzeuge im Bauch, aus Angst, es könnte doch herauskommen, haben es mich immerhin nicht übertreiben lassen. Ich hoffe, es geht ihm genauso …

Einen mutigen Tag wünscht
moggadodde

Whammy, whammy … watch out, granny!

Geschrieben am 10. Oktober 2011 | Abgelegt unter Daily Soap

Irgendwann musste ich es mir ja eingestehen: Im Bett klappt’s schon lange nicht mehr richtig und wenn nur mit viel Beleuchtung und abenteuerlichen Stellungen. Auch auf der Couch sind scharfe Blicke Mangelware. Und in der Küche geht beinahe überhaupt nichts mehr.
Eines war deshalb glasklar: Es muss sich etwas ändern!

Heute bei Netto, am Grabbeltisch zwischen quietschbunten ABS-Socken und Luxus-Gemüseschälern, fand ich die Rettung. Zugegeben, ich wehrte mich lange dagegen, bringt mich die Anschaffung eines solchen Teils doch nur ein Stück weiter auf dem Weg zu Pflegestufe 1, wo sich Sondennahrung und Inkontinenzauflage, Hörgerät und haftcremegestütztes Kauwerkzeug die Bettpfanne in die Hand geben.

Eine kleine Weile musste ich schon überlegen, dann tat ich es doch:


Ich kaufte soeben meine erste Lesehilfe!
Was der Volksmund gemeinhin als “Altersweitsichtigkeit” bezeichnet, nennt sich übrigens Presbyopie, residiert nicht unter “Krankheit” im gängigen Sinn, sondern fällt in die Kategorie “altersbedingter Funktionsverlust” (!) und gesellt sich hier irgendwann z.B. zu Zahn- und Haarausfall sowie schrumpfender Harnblase und vergrößerter Prostata. Eines ist sicher: Wenigstens von letzterem Übel werde ich verschont bleiben.

Ganz nebenbei trage ich die neue Lesekrücke jetzt auch ohne ein Buch in der Hand. Oben auf dem Kopf platziert hält sie mir nämlich praktischerweise die Haare aus dem Gesicht. Solange ich noch welche habe.

Einen glasklaren Tag wünscht
moggadodde

P.S. Wer wegen der Eingangssätze auf schlüpfrige Details aus dem moggadodde’schen Schlafzimmer hoffte, den muss ich fürs Erste enttäuschen. Natürlich hätte ich auch an die Anschaffung eines battery lovers denken können, aber wie bitte soll ich damit anständig lesen?

Renoviertagebuch Teil 3 – Gegen die Wand

Geschrieben am 26. September 2011 | Abgelegt unter Daily Soap

Am Wochenende stand wieder Arbeit auf dem Programm. Hanks Deckenmalereien und blutige Rückstände erlegter Stechtiere waren dank Teleskopstiel und des Mannes Muskelkraft schnell durch reines Weiß getilgt. Die vor Jahren verwendeten Vliestapeten ließen sich in ganzen Bahnen komplett von der Wand ziehen. Wer hat noch nicht mit einem Spachtel in stundenlanger Kleinarbeit hauchdünne, vom Einweichen nasse und klebrige Papierfetzchen von Wänden gefrickelt? Mit Vliestapeten passiert so etwas nicht. Nackt waren die Wände also schnell.

Weniger schnell ging das Wiederankleiden. Üblicherweise verstehen der MamS und ich uns ja gar nicht so schlecht. Aber beim Tapezieren prallen unsere gegensätzlichen Arbeitsauffassungen stets ungebremst aufeinander und sorgen für dicke Luft leichte Irritationen.

Man sollte wissen, dass ich handwerklich eher nach meinem Vater komme. Solange es nicht vollkommen grässlich ist, können wir in unserer Familie auch mal vier ungerade sein lassen und sind trotzdem zufrieden damit getreu dem urfränkischen Motto: “Passt, wackelt und hat Luft”.

Der MamS ist bei derlei Tätigkeiten hingegen eher der Perfektionist. Er doktert an jeder einzelnen Tapetenbahn auch mal eine Viertelstunde herum, leimt hier nochmal, schiebt dort noch einen Mikrometer, nur um dann noch ein drittes mal zu zu kontrollieren. Das Ergebnis sieht am Ende aus wie vom Meister höchstpersönlich stammend. Aber sowas dauert eben.

Ich hingegen bin eher von der schnellen Truppe. Nicht, dass sich mein Endprodukt soooo großartig von seinem unterscheiden würde, gut, einen Hauch weniger perfekt vielleicht, aber während er noch imaginäre Bläschen aus der ersten Bahn rollt, schneide ich schon die Stücke fürs Fenster fünf Meter weiter zu. Erschwerend hinzu kam der kleine Hank, der natürlich auch mitmischen wollte. Drei sture und besserwisserische Tapezierkünstler (ja, ich zähle mich da durchaus dazu, soviel Ehrlichkeit muss sein) in einem einzigen Raum sind allerdings mindestens einer zuviel. So beschränkte sich der MamS dann darauf, als Joker für die seiner besonderen Perfektion bedürfenden Arbeiten wie Ausschneiden von Steckdosen und Lichtschaltern zu fungieren, während Hank und ich wie aus einem Guss aufs Tempo drückten und nach ungefähr 6 Stunden alle Wände wieder beklebt waren.


Das Grau ist sehr elegant und das Grün zu wenig kräftig, finde ich, aber dem kleinen Hank gefällt’s. Natürlich fand der MamS beim Stubendurchgang bei Inspektion unseres Werkes mit seinem unbestechlichen Röntgenblick aber dann doch noch ein Haar in der Suppe. Ja, zugegeben, in einer Ecke habe ich vielleicht eine klitzekleine Kleinigkeit geschludert, da gebe ich ihm sogar recht. Aber wenn man da nochmal mit dem Cuttermesser rangeht, sind die betreffenden Bahnen auch wasserwaagentechnisch auf einer Höhe. Das wird noch und sollte es nicht wahrlich triftigerer Gründe bedürfen, um einen Haussegen in Schieflage zu bringen?

Überhaupt sollten Paare, die einen gemeinsamen Hausstand ins Auge fassen, 5 bis 7 verpflichtende Übungstapezierstunden in einer Heimwerkermarkt-Filiale absolvieren müssen. Nicht beim gemeinsamen Amaretto-Eisbecher beim Italiener um die Ecke, sondern erst unter dieser knallharten real-life Arbeitssituation zeigt sich nämlich, ob auch gegensätzliche Standpunkte zwischen “Also, mir taugt das so” und “Nee, das muss nochmal runter” ohne zu viel enervierende Diskussion auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können. Dann wüsste man nämlich gleich, ob man sich solchen, immer wiederkehrenden Pärchenprüfungen stellen kann oder sich zukünftig nicht besser gleich einen Profi ins Haus holt.

Einen versöhnlichen Tag wünscht
moggadodde

Eine Kaffeetante geht fremd

Geschrieben am 21. September 2011 | Abgelegt unter Daily Soap

Eines vorweg: Wie es der Header dieses Blogs schon vermuten lässt, bin ich, was alkoholfreie Genussmittel angeht, eher der Bohne als dem Blatt zugeneigt. Über Kaffee lässt sich nicht streiten und ich mag ihn am liebsten pur, mit ohne alles und kann ihn auch kalt trinken.

Mit Tee stehe ich hingegen schon seit Kindesbeinen auf Kriegsfuß. Dass ich mich im zarten Alter von 5 Jahren nach einer Operation dieser einzig erlaubten Flüssigkeitszufuhr standhaft verweigerte und mir statt dessen lieber eine Infusion verpassen ließ, spricht für sich. Auch später fand ich keinen Zugang zu Tees aller Art und noch heute verbinde ich mit Kamille-, Pfefferminz-, Fenchel- oder Schwarztee Schüttelfrost, eitrige Mandeln und schweres Siechtum generell. Außerdem schmeckt er mir nicht. Wenn ich etwas Gruseliges trinken wollte, übergösse ich Hanks Fußballsocken nach zweistündigem Training mit kochendem Wasser und genösse das Gebräu nach 5 Minuten Ziehzeit. Das wäre billiger.
Auch den Grüntee-, Rooibos- und Mate-Boom ignorierte ich geflissentlich. Kein Tee könnte an den Geruch und Geschmack einer Tasse frisch aufgebrühten Kaffees heranreichen, dachte ich.
Allenfalls Früchtetees ließ ich durchgehen, ganz selten und nur an besonders eisigen Wintertagen, wenn auch diese keine Tees in herkömmlichem Sinne sind, sondern Aufgüsse von Pflanzenteilen, mit tüchtig Aromastoffen versetzt, und schöne Namen wie Hüttenzauberei, Liebeswahn oder Lucky Punsch tragend. Ja, mit sowas bin ich halt zu ködern.

Der MamS ist hier der Einzige, der auch bar jeder Krankheit allein aus purem Genuss Tee zu sich nimmt. Und er ist es auch, der hin und wieder welchen kauft und er trinkt ihn mit Zucker und Milch, weshalb er zuletzt immer wieder mit Chai-Tees ankam. Bei einem spitzte ich aber das Näschen: Plötzlich durchzog nämlich ein sensationelles, orientalisch-fremdes Aroma die hiesigen Hallen. Ich roch Kardamom. Vanille. Piment. Ich schnupperte an seiner Tasse und war begeistert. Das ist der Grund meiner olfaktorischen Verzückung:


Der geneigte Leser weiß, dass ich hier eher selten nie irgendetwas bewerbe, aber dieser Tee aus dem Hause Goldmännchen hat es verdient, belobhudelt zu werden. Wenn auch jeder einzelne Beutel in bösem Plastik verpackt ist, Verwirrung ob der Ziehzeit besteht (auf dem Beutel 6 Minuten, auf der Packung 8 Minuten) und er natürlich auch nie eine Konkurrenz zum von mir immer noch bevorzugten Kaffee darstellen wird: Hätten mir die Schwestern einst im Krankenhaus diesen leckeren Chai! statt der damals üblichen Plörre vorgesetzt, hätte ich mir das mit der Infusion garantiert nochmal überlegt!

Einen genüsslichen Tag wünscht
moggadodde

Ich hab Hals! – Die Main-Post und ihre Kommentatoren

Geschrieben am 17. September 2011 | Abgelegt unter Daily Soap

Auf dem Weg in die Katakomben sah ich am Donnerstagfrüh dichten Rauch über Würzburg. Anfangs noch vorsichtig an Frühnebel denkend wusste ich spätestens, als mir fieser Brandgeruch in die Nase stieg, dass es sich um ein Unglück handeln musste. Später erfuhr ich dann, dass es in der Stadtmitte tatsächlich ein Feuer gegeben hatte, einen schlimmen Großbrand im Petererviertel, bei dem die Dachstühle mehrerer Gebäudeblocks in hellen Flammen standen. Glücklicherweise wurde bei diesem Großfeuer in der Nacht kein Mensch verletzt. Auch wenn er in die Millionen geht, in diesem Fall ist es nicht verkehrt, auch bei immens hohem Sachschaden von den bekannten Peanuts zu sprechen. Autos und Häuser lassen sich ersetzen. Menschen nicht.

Es ging also alles relativ glimpflich aus. Die Feuerwehreinheiten agierten trotz der mehr als beengten Altstadt-Straßenverhältnisse schnell und professionell, alles andere ist jetzt Sache der Brandschutzversicherung und der Sachverständigen. So weit, so gut.

Dass die örtliche Tageszeitung über ein derartiges Ereignis groß und umfassend berichtet, ist selbstverständlich und dank moderner Technik darf der geneigte Leser zu diesen und anderen online bei der “Main-Post” erscheinenden Artikeln auch seinen Senf abgeben seine Meinung kundtun. An und für sich könnte diese Kommentarfunktion zu den Artikeln bei Online-Auftritten von Zeitungen keine schlechte Sache sein. Man könnte Meinungen austauschen oder diskutieren, vielleicht bei der einen oder anderen Gelegenheit über seine eigenen Scheuklappen hinausplinsen und feststellen, dass auch andere, vernunftbegabte Wesen über eine durchaus nachvollziehbare und dezidierte Meinung zu diesem oder einem anderen Thema verfügen. Könnte. Konjunktiv. Es könnte tatsächlich eine gute Sache sein, wenn sich unter den dortigen Kommentatoren oftmals nicht, sagen wir es mal gelinde, absolute Vollspacken die Taste in die Hand gäben.

Spätestens sobald es in den Artikeln der Main-Post um Tiere oder Kirche geht, drehen die “Kommentatoren” so richtig auf. Unter dem vermeintlich schützenden Deckmäntelchen einfallsreicher und zugleich oft vielsagender Pseudonyme glaubt jeder, der eine Tastatur von einer Klobürste unterscheiden zu können meint, seinen Mentalabfall in die Online-Ausgabe einer Tageszeitung kotzen zu können.

Nun hatten die betroffenen Gebäude leider das Pech, im Eigentum des Bischöflichen Ordinariats Würzburg zu stehen. Dieser Umstand allein reicht manchen Menschen als Grund, um ihren Geisteszustand einer großen Leserschaft zu präsentieren. Dem Fass den Boden schlug ein Hammel Schäfchen aus, das den Brand als Strafe Gottes sehen will. Ich zitiere:

“Das war die Strafe für euer lustvolles Luderleben. Es kann doch nicht sein, dass geschiedene Leute ihre Kinder Taufen dürfen und sie noch die Hostie empfangen. Man sollte solche Leute exkommunizieren. Des weiteren habt ihr aufgehört 3 Mal am Tag zu eurem rachsüchtigen Gott zu beten. Würzburg ist zur einer hedonistischen Sündenstadt verkommen. Es wird Zeit die Gottlosen aus der Stadt zu treiben, sonst wird der Zorn Gottes euch treffen.”

“Hedonistische Sündenstadt”? Na, davon wüsste ich aber! Einmal davon abgesehen, dass ich aus eigener, freudvoller Erfahrung nur den Begriff “Lotterleben” kenne, mich vom Kommentator “Kampfdackel” aber gerne dahin belehren ließ, dass es auch synonym verwendet wird, gehe ich mit dem restlichen Kommentar mitnichten im Detail d’accord. Aber das ist ein anderes Thema und ich werde den Teufel tun, auf einer Kommentarplattform über Glaubensfragen zu disputieren. Eher hätte ich gern galoppierenden Fußpilz.

Allein der Umstand, dass sich die Gebäude in kirchlichem Besitz befinden, gibt aber auch den anders gearteten “Kommentatoren” Anlass, sich an völlig auf einer anderen Baustelle befindlichen Themen wie Pädophilie, Zölibat und Klingelbeutelplünderei zu weiden. Wer es sich antun mag, darf sich hier ein Bild des gesamten, kommentatorischen Grauens zu nur einem einzigen Artikel machen. Aber auch zu den anderen Nachrichten ist es keinen Deut besser.

Nun gibt es bei der Main-Post sicher auch bedauernswerte Online-Redakteure, die sich derlei unverdaulicher Gedankensülze Stunde um Stunde, Tag um Tag, Woche um Woche annehmen müssen und in meinem Hirn sehe ich diese unselige Abteilung, die die Kommentare zu den Artikeln kontrolliert, als eine Art pressetechnischen Gulag. Die Kommentarbeauftragten der Online-Redaktion: Willkommen auf der Teufelsinsel der Main-Post!

Nur wenige Kommentatoren sind erfrischend sachlich und nehmen sich in der Flut der Statementspacken seltsam exotisch aus. Sie nehmen teil an den Problemen der Einrichtungen, schnell Ausweichquartiere zu finden, loben Einsatzkräfte, tun Erleichterung, dass nichts Schlimmeres passiert ist kund.

Das Problem mit unsachlichen Kommentaren ist nun kein Spezifisches der Main-Post. Auch größere, überregionale Blätter haben ihre liebe Not mit Lesern, die grob unsachlich, beleidigend oder auch rassistisch werden. Manche lassen in der Nacht, wenn Redaktionen nicht oder nur unterbesetzt sind, Kommentare gar nicht zu, manche lassen Kommentare einfach auflaufen, bis das Ende der Fahnenstange erreicht ist und die Kommentarfunktion geschlossen wird, wie in obigem Fall. Aus die Maus. Ob die Option, Kommentare generell nicht zuzulassen die Richtige ist, weiß ich nicht. Aber auf alle Fälle wäre sie die erträglichere Lösung. Und wenn, wie in den herkömmlichen, guten alten Leserbriefen eine nachprüfbare Klarnamenpflicht bestünde, würde dies mit ziemlicher Sicherheit für Ordnung im Stall sorgen. Ja, wenn ich’s recht überlege, ist das mein Favorit.

Viele dieser “Kommentatoren” geben überdies vor, dass ihnen das Wohl der Stadt am Herzen liegt. Wenn sich aber durch die umfangreiche Berichterstattung im Fernsehen der eine oder andere Besucher auf die Kommentarseiten zu den z.B. diesen Brand betreffenden Artikeln verirrt, muss er doch annehmen, die Würzburger sind ein Haufen degenerierter Spinner, die sich unflätig, dumm und gemein im Minutentakt mit Dreck beschmeißen! “Neee, Norbert! Lies das mal! Die sind ja verrückt. Ich will nicht nach Würzburg!”. Liebe Leute, die Ihr da bei der Main-Post Eure Kommentarkacke absondert: Habt Ihr Euch mal überlegt, wie das da draußen in Restdeutschland wirkt? Würzburg – Provinzstadt ohne Hirn!

Alles könnte so schön sein. Könnte. Konjunktiv. Man könnte aber auch einfach mal nur seine Klappe halten. Oder wenigstens seinen Kommentar ohne Pseudonym schreiben, damit die Meinung endlich auch einen richtigen Namen hat!

Eine aufgeklärte Nacht wünscht
Heidi Luger
aka moggadodde

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