Vorbildverstoß

Geschrieben am 19. September 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Die StVO hat sich die Obrigkeit vermutlich nicht ausgedacht, um uns mobilen Untertanen auf die Zylinderköpfe zu gehen, auch wenn ich manchmal rat- und verständnislos vor Schildawäldern oder Geschwindigkeitsbeschränkungen an Stellen stehe, an denen nur sehr unbegabte Kandidaten Unfälle verursachen können. Die 1576 Verkehrstoten allein im ersten Halbjahr 2014 und die 2 414 011 polizeilich erfassten Unfälle im Jahr 2013 sind ja trotzdem traurige Tatsache. Mit sehr kleinen Verfehlungen, einem selbst- und einem fremdverschuldeten Auffahrunfall sowie ohne je einen Punkt in Flensburg verzeichnen zu müssen, bin ich seit 1987 hinter einem Lenkrad unterwegs und bin sehr froh darüber.

Nicht unbedingt auf dem falschen Fuß erwischen muss mich z.B. ein vorzugsweise dunkel gekleideter Velodri, der bar jeglicher Beleuchtung, Vernunft oder Verantwortung durch düstere Straßen flitzt, um ein freundliches “Mach mal Licht an, Du Affe!” zu ernten. In einem auch nur Blechschaden verursachenden Un-Fall hänge ich allein wegen des Gefährdungshaftungsprinzips schließlich mit dran, Schlimmeres mag ich mir gar nicht ausmalen.

Daran musste ich gestern denken, als ich auf dem Mainkai die zweispurige Straße per pedes überqueren wollte. Ich beobachtete auf der anderen Straßenseite ein plauderndes Pärchen mit einem entzückenden, blond gelockten Buben im Buggy, geschätzte 4 Jahre alt. Der Mann sprintete über die Fahrbahn, die Frau wollte es ihm mit dem Kind nachtun, zog aber wegen herannahender Autos zurück und wartete, bis die Straße frei war. Das ist an sich nichts besonderes, hätte sich diese Situation nicht direttemang an einer Fußgängerampel ereignet, die auch dann noch Rot zeigte, als die Mittzwanzigerin schließlich mit dem Buggy über die Straße schoss.
Als sie glücklich auf meiner Seite anlandete, erlaubte ich mir den, zugegeben mit dem Hauch eines Scheibenwischers garnierten Hinweis, dass die roten und grünen Lichter da oben schon eine Bedeutung hätten und ob sie es zuträglich fände, ihrem Kind ein so schlechtes Beispiel zu sein. Möglicherweise war ihr Kommunikationsnavi nicht auf den Verbalverkehr mit Fremden programmiert, jedenfalls glotzte sie mich mit diesem “Was will die Schnalle denn?”-Blick verständnislos an, zuckte mit den Schultern und schloss zu ihrem Begleiter auf, der schon vorausgegangen war.

Das macht mich sehr, sehr sauer. Denn wenn ihr Knirps in ein paar Jahren bei Rot über die Straße läuft, “weil Mama das ja auch immer gemacht hat”, endet er möglicherweise auf meiner oder einer anderen Motorhaube und das ist ja nun nichts, was ich mir gern vorstellen mag oder irgend jemandem wünschen würde.

Für eine Straßenquerung bei Rotlicht kann es generell ein Verwarngeld von 5 Euro setzen, was in meinen Augen eine lächerliche Strafe darstellt, sofern man man diesen Verstoß mit oder in Anwesenheit von Kindern begeht.
Vielleicht wäre die Einführung von Schulungsmaßnahmen in diesem Fall die bessere Idee. Ich würde diese Leute in “Vorbildhaft” nehmen, wo ihnen dann endlich mal erklärt wird, dass ihre Kinder wie Kopiergeräte auf zwei Beinen in den ersten Lebensjahren fast ausschließlich auf Nachahmung gepolt sind und wie wichtig deshalb das Beispiel der Eltern ist. Niemand ist in Erziehungsarbeit perfekt, niemand macht alles richtig. Aber die Unterscheidung von Rot- und Grünlicht ist verdammtes, elterliches Grundschulwissen!

Einen idealistischen Tag wünscht
moggadodde

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Arschgesicht

Geschrieben am 18. September 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Brazilian Waxing ist ja mittlerweile Standard der menschlichen Behaarungsnorm in südlichen Körpergefilden, Wimperndauerwelle weiter oben ebenso, Dermabrasion, Botoxspritzen, Permanent Make-up und Fruchtsäurepeeling sind anerkannte Methoden der Beautymafia. Es gab bisher fast kein Körperteil, das nicht durch kundige Hände einer umfassenden Pflege und vermeintlichen Verbesserung anheimgegeben wird. Es gibt Schamlippenkorrektur oder, ja, Kinder lesen jetzt besser mal weg, Anusbleaching und spätestens an dieser Stelle bereue ich zutiefst, dass das wehwehweh jegliche Information genauso flüssig auszuspucken in der Lage ist wie ein Montezumaopfer seine heiß glühende Diarrhoe.

Über den verlängerten Rücken des menschlichen Körpers hatte ich mir bislang nur wenig Gedanken gemacht.

Shakeyourbooty

Das Wissen, dass manche Menschen dieser Region gerne besondere Aufmerksamkeit widmen, war zwar vorhanden, ging mir persönlich aber bisher am Arsch vorbei, die Nachricht, dass der Kosmetiktrend “Shiny Hiney” aber quasi the next big butt der Schönheitsindustrie ist, musste ich deshalb erst einmal sacken lassen.

Frauen (und zunehmend Männer) zahlen also dafür, dass die zweitgeheimste Körperregion auf einem Foto nicht allzu beschissen aussieht. Sie lassen ihre Popöchen massieren, salben und schmirgeln, um ein halbwegs passables “Belfie” ins Netz laden zu können, ein Arschfoto, das einer Kardashian oder ihren Konsorten den Steiß bieten kann. Unter uns gesagt: Lediglich eine mit Salzsäure blitzblank gereinigte Kloschüssel vermag bei mir ähnliche Glücksgefühle zu verursachen wie anderen ein nackter Strapsvollmond, sei er männlich oder weiblich. Aber vielleicht bin ich ja nur zu wenig arschaffin aufgeschlossen und damit ohnehin nicht die richtige Zielgruppe.

Nicht neu ist ein gewisser Herdentrieb, was gängige Schönheitsideale angeht und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Trend über den Teich schwappt. Sei es der komplett enthaarte Körper oder die zu bunten Ausgrabungswerkzeugen geschmückten Fingernägel: Einer macht es vor, ein bisschen Propaganda in den richtigen Magazinen und zack, die Barbies und Kens dieses Planeten folgen wie Lemminge über die Klippe. Ich muss sagen, ich bin schon ein wenig enttäuscht, was die menschliche Intelligenz angeht. Dass diese Spezies bereit ist, mehr oder weniger hart verdientes Geld auszugeben, damit der ohnehin meist verhüllte Hintern aussieht wie die blank polierte Motorhaube eines Hanomag-Traktors, lässt mich zweifeln. Ist das wirklich die Menschheit, die das Rad, das bügelfreie Oberhemd und das Nasenspray erfunden hat? Was ist nur aus uns geworden? Ein trauriger Haufen selbstverliebter, affektierter Exhibitionisten mit dem Feingefühl einer Abrissbirne!

Auf ein Foto meiner südlichen Hinterbacken wird die Öffentlichkeit wohl ewig warten, zum Glück, wie objektiv meinende Eingeweihte zu vermelden wissen ich meine. Und ich würde mir wünschen, von den Hintern aller Pippas, Kardashians oder Krethis und Plethis verschont zu werden, wenn schon niemand mehr um die exzessiv präsentierte Zunge von Frau Cyrus herum kommt.

Ich plädiere hier nicht für mehr Schlupflider, Besenreiser, Krähenfüße und Cellulitebeulen, Reiterhosen oder Geheimratsecken! Aber ich bin für ein wenig mehr Akzeptanz zur Unperfektheit in dieser schönheitsidealverkehrten Welt und wie die Ärsche anderer Menschen aussehen, geht mir nun tatsächlich an ebensolchem so weit vorbei wie der Schönheitschirurg am Kassenpatienten!

Eine makellose Nacht wünscht
moggadodde

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I walk the line

Geschrieben am 8. September 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Das schöne Aschaffenburg liegt “nur” etwa 80 km von meinem Kaff beschaulichen Wohnweiler entfernt. Die Nachricht, dass die von mir überaus verehrten Herren von Johnny Crash im bei mir nicht minder beliebten “Colos-Saal” aufspielen, ließ meinen Klickfinger sofort in Kaufrichtung zucken. Dass der MamS Anhänger von Westcoast und eher weichgespülten softeren Klängen ist, wusste ich zwar, aber die Stücke, die ich ihm präsentierte, gefielen ihm. Ich buchte also und freute mich wie das Schnitzel auf die Pfanne.

Die Nachricht, dass auch kurz vor der Silberhochzeit stehende Paare nicht vor atmosphärischen Spannungen gefeit sind, dürfte nicht neu sein. Wie Herpes, Schnupfen oder nässende Pickel erwischt einen auch derlei meist zur Unzeit und so muss ich verkünden, dass der Haussegen an just diesem Samstag in den hiesigen Hallen aus, wie üblich, nichtigem Anlass, ein wenig Schräglage zeitigte. Ersatz für den MamS war tickettechnisch auf die Schnelle nicht zu kriegen. Meine Drohung Offerte, allein zu fahren, stieß auf missbilligende Ohren; zähneknirschend machten wir uns also zusammen auf den Weg.

Johnny Crashs Support, Judas Biest, legte sich auch gleich mächtig ins Zeug. Ich genoss das Gefühl von vor Lautstärke vibrierenden Nasenflügeln und den mächtig harten Sound von der Bühne. Der im Gegensatz zu der Vorgruppe wohl etwas zart besaitete MamS kippte zwar fast aus den Latschen, hielt aber tapfer durch. Judas Biest sind wie ihre Vorbilder nicht gerade Kandidaten der zahmen Töne und ich muss ehrlich gestehen, dass ich kein einziges Stück kannte, weil ich in meiner Jugend eher auf Suzi Quatro oder Angelo Branduardi “abfuhr”, wie man heute wohl sagt, auch wenn beides auf den ersten Blick zusammen passt wie der Pudel zur Sülze. Gerade heute war ich aber aus Gründen in Stimmung für richtig harte Riffs und Bass, der auf dem Grund der Magengrube Polka tanzt. Judas Biest traf mein “Jetzt erst recht. Macht lauter!”-Zentrum und der MamS hinter mir rollte die Augen über hartnäckig verschränkten Armen, blieb aber couragiert am Platz, während ich in Hörgenuss schwelgte.

Dann endlich Johnny Crash. Das für meinen Geschmack leider zu übersichtlich publikumsbestückte Colos-Saal war auf den Punkt bereit. Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, ich habe entgegen sonstiger Gewohnheit weder gefacebookt, getwittert oder fotografiert: Ich habe jede Minute genossen, der Frontmann und seine Kollegen hatten das Publikum (und mich erst!) vom ersten Moment an auf ihrer Seite.

Songs von Johnny Cash und Rose Tattoo wurden auf unnachahmlich rotzigfreche AC/DC-Art zum Besten gegeben, auch Eigenkompositionen wie das wunderbare “Fight the cause” standen auf dem Programm, der “Ring Of Fire” des unvergessenen Man in Black markierte schließlich den Abschluss eines fantastischen Abends im Colos-Saal. Wir alle sangen mit und, wenn ich mich nicht sehr täusche, hörte ich auch den MamS hinter mir lautstark brüllen schmettern.
Inzwischen war er ja wieder versöhnt, und ich auch, so ziemlich. In eitlem Sonnenschein gingen wir in tiefdunkler Nacht zum Parkhaus. Musik schlägt eben Brücken. Selbst bei einem kurz vorher noch ziemlich verkrachten Fastsilberhochzeitsdings, sehr frei nach dem Motto “Because you’re mine – I walk the line”. Danke, Johnny Crash!

Eine harmonische Nacht wünscht

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Das Ei der Polynesier

Geschrieben am 30. August 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Braune Eier, weiße Eier … aber grüne?

Grüne Eier!

Grüne Eier!

Tatsächlich! Unser neuer Eierdealer hat auch grüne Exemplare im Stallfolio. Die hübschen Araucana-Hühner sind Erzeuger dieser ungewöhnlichen Eier, die für große Augen am Frühstückstisch sorgen.

Unser Grüngelege war wesentlich kleiner als die normalpigmentierten Geschwister. In meiner unnachahmlichen Weisheit nahm ich an, dass kleinere Eier auch weniger Kochzeit benötigen. Dem ist aber nicht so, das sehr weich gekochte Ei war ein wenig sehr weich, für Liebhaber aber durchaus noch genießbar. Geschmacklich unterscheidet sich ein grünes von einem braunen oder weißen Ei übrigens nicht.

“Nature” beschreibt, dass die DNA der Araucana-Hühner eine große Ähnlichkeit mit Hühnern aus Polynesien aufweisen und diese in Südamerika bereits heimisch waren, lange bevor Christoph Columbus den Kontinent enterte. Muss hier etwa die Redewendungsgeschichte umgeschrieben werden? Wird Columbus nicht zu Unrecht das vielbesprochene Ei auf die Fahnen geschrieben? Müsste es nicht korrekt “Das Ei der Polynesier” heißen? Ich werde wohl einmal darüber brüten müssen.

Mahlzeit!
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Auf die Rübe!

Geschrieben am 24. August 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Heute machte ich große Augen, als mir die Nachbarin dieses Prachtstück aus ihrem Garten überließ!

Rübe roh

Rübe, ro(h)t

Zugeben, dass ich derlei bisher nur aus dem Glas und in bereits filetiertem Zustand kannte, wollte ich natürlich nicht. Aber zu den Segnungen des Wehwehweh gehört ja auch, dass man alles herausfinden kann, auch, wie man eine kindskopfgroße Rote Beete (Rübe/Bete) so bearbeitet, dass ein leckere Mahlzeit daraus wird.

Dass die Schale vor dem Kochen nicht verletzt werden darf, hatte ich auch gelesen, deshalb kochte ich die Rübe im Ganzen nach einer Katzenwäsche im größten, auffindbaren Topf fast 90 Minuten lang. Währenddessen durchzog ein ungewohnter, ursprünglicher Geruch die hiesigen Hallen, ein bisschen roch es wie in Omas Bauernstube. Danach ließ sich die Kugel ganz einfach von einer hauchfeinen Haut befreien und (mit Handschuhen!) in sehr dünne Scheiben schneiden. Die tiefrote Farbe! Der erdige Geruch! Herrlich, und gar nicht vergleichbar mit den konservierten oder in Folie gepressten Geschwistern!

Ein paar Champignons tat ich in Scheiben auf ein Rucolabett, ein Dressing aus Olivenöl, Salz, Pfeffer und Balsamico und ein Topping aus gerösteten Pinienkernen und gehobeltem Parmesan gab’s obenauf.

Rübenhimmel

Rübenhimmel

Das Ergebnis war so fantastisch, dass ich Schnitzel und Kartoffelsalat gerne links liegen ließ und mich an diesem Abend fast ausschließlich an diesem Rote Rüben-Carpaccio labte. So viel Vitamin B, Kalium, Eisen und Folsäure, wie ich dank dieses Gemüsebömbchens nun in mir habe, darf ich dem morgigen Nutellafrühstück aber ganz entspannt entgegen sehen!

Eine schmackhafte Nacht wünscht
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Mein Main

Geschrieben am 28. Juli 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Schon wieder am Wasser gewesen. Matjesbrötchen gegessen und ein MaiLing-Baguette.

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Meine Seele baumelt nicht. Sie schwimmt.

Eine feuchte Nacht wünscht
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Sockenschuss

Geschrieben am 26. Juli 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Meine Eltern waren nicht besonders kunstinteressiert. Bei uns galt Kaltz’ Bananenflanke als Kunst, Fischers Fallrückzieher oder ein Pils, das mit besonders hübscher Blume serviert wurde.
Ich fand es damals äußerst skurril, als Zeitungen und die drei Fernsehsender (man nannte es noch nicht „Medien“) über etwas berichteten, das als „Fettecke“ in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Mama hätte mir ja heftig das Popöchen versohlt, wäre ich auf die abstruse Idee gekommen, ein paar Kilo Fett (Winterbutter, das klärte ein Gutachten kürzlich) in Zimmerecken zu packen. Jahre später putzte ein eifriger Hausmeister den Ekelkram aus den Ecken, was für einen entsetzten Aufschrei bei vielen Kunstgroupies sorgte und stante pede die Diskussion wieder entfachte, was Kunst ist und was Quatsch. Zuletzt echauffierte sich die Beuys’sche Witwe, weil andere Künstler aus den einst aus einem Eimer gekratzten Überresten einen “Kunstgeist” destillierten, wobei ich mich schon frage, was hiesige Hygienevorschriften wohl zu einem Gesöff aus 30 Jahre alter Butter sagen. Allerdings ist Kunst auch nicht unbedingt das Gebiet, auf dem ich mich durch besondere Kenntnisse auszuzeichnen vermag. Mit dem “Kann ich was mit anfangen”-Prinzip bin ich bisher ganz gut gefahren.

Ähnliches gilt für den Bereich “Mode”. Die Lektüre meiner letzten “Brigitte” liegt schon Jahre zurück, ich habe keinen Schimmer von den colors of the fall 2014, kann bis heute die Farbe “taupe” nicht beschreiben und auf Absätzen über 3 cm lege ich mich höchstens slapstickreif auf die Schnauze. Ich trage einfach, was mir gefällt, was im Schrank ist, in was ich nicht zu sehr aussehe, wie ein aus der Form gelaufener Muffin und damit habe ich schließlich genug zu tun. Mode ist, was gefällt aber für mich gilt auch hier das “Kann ich was mit anfangen”-Prinzip.

Der MamS hatte keine Ahnung von der Nachricht, dass die einst als prollizifizierten Gummilatschen geschmähten und böszüngig “Asiletten” genannten Schlappen momentan als Dernier Cri der Laufstege von Mailand bis Malmö gelten, und tauchte derart gewandet

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heute zum Frühstück auf. Ich schluckte. Adiletten plus Stützstrümpfe liegen auf der Skala von Lagerfeld bis Esprit ja ungefähr bei KiK. Aber auch hier gilt: Wer bin ich, dass ich mich dazu aufschwinge, anderer Menschen Kleidung zu beurteilen? Soll er dieses Ensemble doch ruhig tragen! Fast könnte er so als lebendes Kunstwerk durchgehen und wer weiß, vielleicht sollte ich die Kompressionskondome die nächsten Jahre einfach nicht waschen? In 20 Jahren keltere ich daraus einen Vinum Varikosis und werde stinkend reich. Kunst ist schließlich, was man daraus macht!

Einen duften Abend wünscht
moggadodde

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I put “Ei” in “Meisterschaft”

Geschrieben am 13. Juli 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Noch dreieinhalb Stunden bis zum Anpfiff der Anpfiffe und ich muss zugeben, ein bisschen Spannung stellt sich ja schon ein. Den Weltmeistertitel würde ich den Jogijungs ja schon gönnen, so unbekannterweise, auch wenn die Buntjournaille in den letzten Wochen nicht müde wurde, uns auch jedes klitzekleines Informationsatom aus dem Leben der Nationalmannschaft auszugraben. Mag sein, dass viele Schländer ein Interesse am Speiseplan von zwei Dutzend hochbezahlten Fußballern haben, mir ist sowas eigentlich eher wurst.

Wenn die Augen der Welt und auch meine sich in wenigen Stunden auf Maracanã richten, Meisterschaften in kleinerem Rahmen mit mir persönlich bekannten Akteuren sind um einiges reizvoller. Vor zwei Wochen hatte der kleine Hank mit seinen Mannen sein persönliches Finale. Der Hauptplatz der vielleicht ein wenig hochtrabend “Stahlberg-Arena” genannten Sportplatzanlage war gesperrt, das Spiel Erster (Jungs) gegen Zweiter (Gegner) musste wegen Doofheit eines Organisationsfehlers des eigenen Vereins auf dem Trainingsplatz abgehalten werden. Beim Auswärts-Hinspiel hatte Hanks Trainer seine Buben wegen überhart einsteigender Holzfäller-Gegner und eines hilflosen Jungspund-Schiris vom Feld geholt. Kein Kick der Welt ist einen Krankenhausaufenthalt wert. Das Hinspiel wurde vom Verband also als verloren gewertet, das entscheidende, letzte Rundenspiel zwischen denselben Mannschaften fand “daheim” statt und beide mussten gewinnen, um diese Meisterschaft für sich zu entscheiden.

Es regnete nicht, es schüttete. “Fritz-Walter-Wetter” würde es der Fußballfan nennen. Trotzdem fanden sich um die 100 Zuschauer, die Stimmungslage der gegnerischen Väter, Brüder und Betreuer würde ich von Anfang an als feindselig bis hooliganesk bezeichnen. Anders kann ich es nicht nennen, wenn erwachsene Männer gefoulte Jugendliche, die sich auf dem klatschnassen Grün vor Schmerzen winden, als “Schauspieler” oder “Memmen” bezeichnen. Zu gern hätte ich diese brothohlen Arschlochidioten ein paar mal mit der geballten Faust ins Gesicht gefoult.

Zwei Rückstände holten unsere Jungs auf, gewannen mit 3 : 2, holten die Meisterschaft und den Aufstieg.

Meisterbuben

Meisterbuben

Das Glück wurde allerdings getrübt durch die Verletzung eines unserer Jungs. Wadenbeinbruch und Riss des Syndesmosebandes (ja, genau, Schweini!) erschweren Sport-Abiturklasse, ruinieren Ferienpläne und bescheren mehrere Operationen. Diese Verletzung (durch Nachtreten auf den am Boden liegenden Spieler) ist ziemlich schlimm, da fallen Schiribedrohung durch den Gegner und eine total versaute Gästekabine noch unter lässliche Dummheit.

Unsere “Helden von Zell” haben gekämpft, von der ersten bis zur letzten Minute, platzten fast vor Stolz und feierten heftig mit Eltern und Betreuern. Umso ärgerlicher, dass sich auch in der Folge vom Verein selbst, dessen Namen die Jungs ja auf den Trikots spazieren tragen, kein einziger offizieller Hansel zu einer Gratulation herabließ. Im Gegenteil: Wie bei anderen “Landvereinen” auch, wird ausschließlich die 1. Mannschaft gehegt und gepampert. Abgestiegen sind sie trotzdem und das freut mein gerechtigkeitsfanatisches Herz besonders.

So. Nun sind es nur noch 3 Stunden. Hoffentlich hatten die Jogijungs heute Rührei zum Frühstück, der kleine Hank hatte das am Morgen seiner Meisterschaft nämlich auch. Schließlich brauchen wir, wie der Titan einst titelte, Eier. Und das heute nicht zu knapp.

Sportliche Grüße
moggadodde

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Reifen Leistung!

Geschrieben am 5. Juli 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Als ich heute in der schönen, langen Senke kurz nach Ortsausgang tüchtig aufs Gaspedal drückte, flatterte das Lenkrad plötzlich wie ein Kuhschwanz im Kyrill, irgendwas fuhr da im Argen: Nach Aussteigen präsentierte sich ein potenter Platten hinten links. Fluchend sagte ich meine Verabredungen für den Vormittag ab und avisierte mein Kommen in der Werkstatt meines Vertrauens. Schön, an dieser Stelle übrigens anmerken zu können, dass sich schon der Fahrer des zweiten passierenden Autos nach dem Problem erkundigte. Das war wirklich nett! Mit Warnblinker zuckelte ich also in meine Werkstatt.

Kluge Köpfe könnten nun die Lauffläche von vier 185er Reifen berechnen und zur Wahrscheinlichkeit referieren, die es braucht, um sich in genau demselben Reifen nach 7 Monaten wieder einen Nagel einzufahren. Allerdings war es nicht nur derselbe Reifen (der überdies nach dem Winter turnusmäßig auf die Hinterachse montiert war): Die Eintrittsstelle befindet sich ungelogen (und auf diesem alten Foto per Kringel markiert)

Tired

nur wenige Zentimeter neben dem Nagel vom September. Das muss man erstmal hinkriegen! Damals konnte der Gummi geflickt werden, aber mit nun zwei reparierten Stellen wird aus dem einst geretteten Ring ein Fall für den Gummifriedhof. Und weil sich ein junger und ein alter Reifen auf einer Achse nicht vertragen, hat mein Schrauberguru nun gleich zwei neue Schlappen bestellt.
Zwei neue Pneus – und mein Geldbeutel schnappt auch schon nach Luft.

Tired of tires

moggadodde

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Post Mahlzeit!

Geschrieben am 28. Juni 2014 | Abgelegt unter Daily Soap

Neben anderen ist meine größte Körperbaustelle momentan das Esszimmer. Um Pfingsten herum verabschiedete sich ein Stück eines Backenzahns. Vor zwei Jahren ohnehin provisorisch zusammengeflickt wusste ich, dass dieser Tag kommen würde und war nicht sonderlich überrascht. Zwei Tage später verlor sein Zwilling auf der anderen Seite gegen ein krosses Brötchen: Auch hier pulte ich einen Brocken aus dem Mund. Jetzt war ich allerdings schockiert, zumal spitze Abbruchkanten dafür sorgten, dass ich mir mit einem unbedachten Wort die Zunge knipsen würde, wie einen entwerteten Fahrschein.

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Der Zahnarzt meines Vertrauens unterbreitete mir verschiedene Angebote. Die günstigste Lösung beinhaltet, wie paradox, sehr viel sichtbares Gold und disqualifiziert sich dadurch selbst, für die Lamborghini-Lösung müsste ich ein paar Mäzähne auftreiben. Die Mittelklasse gab ich schließlich in Auftrag und als kümmerlicher Holzklassenpatient benötige ich trotz überwiegender Eigenleistung die Genehmigung des sogenannten “Heil- und Kostenplans” durch die Krankenkasse, den mir die Praxis zuzusenden gedachte.

Die folgenden Tage wartete ich. Und wartete. Und wartete. Die übergangsweise installierten Dentalbasteleien popelte ich fortan immer wieder fluchend aus dem Essen. Vielleicht hatte die Praxis den HKP direkt an die Kasse geschickt? Ich wartete nochmals. Dann wuchs ein Verdacht und Nachfrage ergab, dass das Dokument vor zwei Wochen direkt an mich übersandt worden war, allerdings nicht mit der “normalen” Post, sondern mit der heimischen “MainPost-Logistik”. Ich bekam Hals. Sehr dicken Hals. Bereits vor ein paar Monaten erreichte uns eine Einladung für ein Vorstellungsgespräch des kleinen Hank, über eben dieses Unternehmen verschickt, erst nach dem dort genannten Termin. Ich meine, man transportiert hier Dokumente und wichtige Schriftstücke und keine Auswurfsendungen oder überflüssigen Reklamekokolores. Wenn man schon der altehrwürdigen Urmutter Deutsche Post Konkurrenz machen will, gelingt dies sicher nicht mit Unzuverlässigkeit und Schlamperei. Das ist Mist, Leute!

Weil ich inzwischen eines weiteren Zahnfragments verlustig ging, begab ich mich gestern wieder auf den Stuhl. Die nette, hübsche Vertretungs-Dottoressa ummantelte die immer größer werdende Bruchstelle mit einer Art Tortenring, den sie mit einer Komposition aus Mörtel und Zement auffüllte. Inzwischen wähle ich meine Nahrung nach Weichheit und bin dauernd blau stille meinen Kalorienbedarf überwiegend mit Getränken.

Den neuen Heil- und Kostenplan habe ich mir gestern nochmal ausdrucken lassen und endlich an meine Krankenkasse geschickt. Mit der Post. Der richtigen, funktionierenden Post, allerdings; der Ursprungsbrief hat mich immer noch nicht erreicht. Schließlich will ich in diesem Leben noch kraftvoll zubeißen können!

Einen bissigen Abend wünscht
moggadodde

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