Auf dem Kopf-Sache

Überstunden abbauen, wie herrlich! Um die gewonnene Zeit nicht allzu sinnlos zu verplempern, zwischen Ausstechen in der Firma und dem Heraussuchen von Unterlagen für den Hausbesuch des Altersvorsorgeprofis (Alter, wie ich es hasse!) bog ich ab von der Straße. Durchatmen am „Süßen Brünnle“.
Oft jammere ich über die Knochenfron in den Katakomben. Über Fuß-, Schulter- und Sonstwasweh. Über alles mögliche vermag ich virtuos zu jammern und sei es selbst über die eigene Unfähigkeit, endlich den Arsch zu heben und den Keller zu räumen. Dabei geht es mir doch blendend! Ich weiß noch nicht von irgendeiner ernsten Krankheit, meinen Kindern geht es prima, ich sitze warm beim Tippen, kann nebenbei einen guten, Thüngersheimer Tropfen picheln und lege mich gleich in ein warmes Bett. Es gibt nichts, womit ich unzufrieden sein könnte. Wieso fällt es nur immer wieder so schwer, das Gute in meinem Leben zu sehen und zu schätzen? Ich habe es doch wirklich ziemlich schick!

Manchmal muss man einfach den Blickwinkel zu ändern, um klar zu sehen.

Euch eine zufriedene Nacht wünscht
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Vergessene Worte

In einer Welt fast kompletter Starbuckisierung des besten Getränks auf Erden ist der

Blümchenkaffee

inzwischen ja fast auf der Strecke geblieben.

Einen wachen Montag wünscht
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Mourning Glory

„Ach, Lini*!“, nölt der MamS und reibt an seinem Oberhemd. Missmutig deutet er auf einen centgroßen Tomatensoßenfleck in Brusttaschenhöhe. „Uppsi, hab ich wohl übersehen!“, antworte ich, die Tatsache, dass ich das bügelfreie Hemd aus der Waschmaschine uninspiziert auf dem Kleiderbügel trocknen und dann direkt in den Schrank wandern ließ, nicht sonderlich erwähnend. Dass er das doch jetzt anziehen wollte, klagt er. Und dass das jetzt seine Outfitpläne verhagelt.

Sorgte ein derartiger Dialog bereits tagsüber für ein möglicherweise kritisches Beziehungsklima, so birgt er morgens um halb 6 zumeist pures Dynamit.

Morgens um halb 6 ist die Welt nämlich nicht in Ordnung, sondern nur die Nacht vorbei. Seit langem schlafe ich, früher die größte Schlafmütze auf diesem Planeten, nicht nur schlecht, sondern miserabel. Es mögen gute 4 Stunden sein, die ich netto schlafend verbringe, in stetem Wechselspiel mit Klogängen, Umherwälzen und in-die-Dunkelheit-Starren. Wenn ich aufwache, ist das nicht, wie früher, ein dröges „Verdammt, was für ein Tag ist und wo bin ich überhaupt“-Aufwachen, sondern eine feurige „Gebt mir eine Axt und ein paar Scheitli und ach, den Baum reiße ich auch gleich raus!“-Munterkeit. Inzwischen habe ich mit damit aber arrangiert.

Manchmal, wenn ich besonders lange wach liege, schaue ich mir bei Napflix.tv, der Siesta-Plattform mit den langweiligsten Youtube-Videos, tranquilizierende Clips an. ASMR, die Flüsterentspannung? Wirkt bei mir nicht beruhigend, sondern macht mich kribblig und aggressiv. Ein Mann ordnet die Briefmarken seines Vaters? Schon besser. Klingonisch lernen? Will ich nicht.
Am besten entspanne ich in der Nacht mit der einstündigen Aufzeichnung der japanischen Monopoly-Championships. Ich muss gar nicht hinsehen. Das geschäftige Gemurmel in einer mir völlig unbekannten Sprache beschert Phlegma auf höchstem Niveau, goldrichtig in einer insomniösen Nacht!

Dass ich mit so wenig Schlaf existiere bedeutet aber nicht, dass ich morgens auch gut gelaunt bin. Das bin ich nie, weshalb eine frühmorgendliche Kommunikation normalerweise nicht stattfindet, ohne dass meine innerlichen Truppen mobil machen. Aber heute finde ich es so saukomisch, dass sich der MamS an diesem Tomatenfleck hochzieht, den er immerhin höchstselbst auf die Brust kleckerte, als er letztens in cäsarischer Halbliegendposition von der Lasagne naschte, UND MICH HIER NOCH ANMACHT!? Lächerlich!

Er holt sich also ein anderes Hemd, aber schon wieder höre ich Gepolter: „LINCHEN*! Was zum Teufel hast Du mit der Hose gemacht?“, greint er, reißt am Stoff herum und versucht verzweifelt, die Hose zu schließen. Ich schaue ihn an und kann nicht mehr an mich halten. Schallend lache ich los, so laut, dass der kleine Hank besorgt aus dem Bett kriecht. Ich lache wie schon lange nicht mehr, vielleicht höre ich mich auch etwas irre an, aber das ist das komischste Bild seit langem! Prustend eröffne ich: „Sieht echt scheiße aus. Kannst vielleicht mal meine Jeans ausziehen?“

Mag sein, dass ich bei der Wäsche gerade etwas flatterhaft bin. Kann aber auch sein, dass ich wegen des wenigen Schlafs langsam durchdrehe.

Highter highter
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* Ja, der MamS beliebt mich derzeit so zu rufen. Ich hatte schon sehr viele Kosenamen, auch schlimmere.

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Bedrohnung

Strahlende Sonne beim Spaziergang und eisige Kälte. Ein bisschen frische Luft soll ja nicht schädlich sein, aber plötzlich umfängt mich ein Geräusch. Hornissen in Würzburg? Ein Killerwespenschwarm? Hat Gott sein Plagensortiment mit Trump auf dem nordamerikanischen Kontinent experimentell erweitert und schickt den Würzburgern erst einmal die guten, alten, biblischen Heuschrecken?
Ich schaue mich um und entdecke über mir ein Fluggerät, einen Quadrocopter, wie sich diese moderne Plage aus der Tech-Ecke wohl nennt. Sirrend bewegt es sich hin und her und ich fühle mich sofort unbehaglich. Was nimmt er ins Visier? Welche Auflösung bieten die Aufnahmen? Ist es hier sicher oder machen die Batterien schlapp und die Rotoren rasieren mir beim Absturz ein paar Ecken in den Damenbart oder kracht mir das Teil gleich mit einem ordentlichen Wumms auf die Rübe? Ich fühle mich bedrohnt, gehe in die Gegenoffensive und fotografiere zurück.

Wo zum Teufel steckt der Pilot?
Ich entdecke ihn auf dem Domplatz. In einer Ecke stehend guckt er in einen Kasten, den er mit Gurten am Oberkörper trägt. Natürlich will ich da nachhaken und nähere mich. Der MamS hasst es, wenn ich fremde Leute in kritische Gespräche verwickle, aber das kratzt mich bekanntlich wenig. Er läuft weiter, während ich den Piloten anspreche, ob ich stören darf, oder ob das eine Gefahr für die Passanten darstellt? Sehr freundlich ist der Mann und beantwortet mir meine Fragen. Die Aufnahmen sind für einen Radiosender und auf dem Monitor sehe ich aus der eben gesehenen Flughöhe gestochen klare Bilder. Er erkundigt sich nach meinen Bedenken, die ich sehr gern erläutere und die er zu entkräften versucht, was ihm trotz der offenbaren Joystick-Virtuosität nicht wirklich gelingt. Er scheint zu wissen, was er tut, es handelt sich um eine Auftragsarbeit, er macht einen besonnenen Eindruck. Aber ich bin immer noch sehr nachdenklich.

Luftbilder sind keine neue Erfindung. Schon vor vielen Jahren hing in der Wohnküche meiner Oma eine Aufnahme des hart erarbeiteten Eigenheims von oben. Aber das waren Profis, die aus Cessnas knipsten. Und billig war das nicht.
Heute können sich Hinz und Kunz, Doof und Saudoof sowie Spanner und Hirnlose aller Couleur zum Aviator aufschwingen und für ein paar Kröten und ohne Registrierung nicht nur schöne Bilder und Filme machen, sondern auch spitzeln, spionieren und spannen.
Noch schlimmer aber ist, dass sich selbst harmlose Hobbypiloten zuweilen mit der Steuerung überschätzen. Technische Defekte oder ein upps! plötzlich leerer Akku sind keine neuen, sondern immer öfter verkündeten Nachrichten. Es ist nach meiner Befürchtung angesichts der schieren Masse der mittlerweile verkauften Copter und Drohnen nur eine Frage der Zeit, bis einer dieser Brocken nicht mehr nur auf der Autobahn notlandet, sondern ein Unglück mit ernsthaftem Personenschaden anrichtet.

Sogar elektrische Rollstühle müssen über Nummernschild und Haftpflichtversicherung verfügen, wenn sie schneller als 6 km/h fahren, während die Mehrzahl der Freizeit-Luftikusse ihre hoch gefährlichen Fluggeräte völlig anonym mit bis zu 60 Sachen durch den Luftraum jagt? Nicht auszumalen, wenn eines dieser meist als „Spielzeug“ klassifizierten Flugkörper aus 30 m Höhe auf einen Menschen kracht.

Im eigenen Garten, in den eigenen vier Wänden, auf und über dem eigenen Grundstück oder auf eigens dafür vorgesehenen Geländen – hey, viel Spaß und ab dafür! Nennt mich spießig, aber für mich haben diese Geräte ohne Lizenz, fundierte und fachlich belastbare Einweisung in der Art eines Führerscheins sowie Eigentumsnachweis im öffentlichen Raum einfach nichts verloren.
Ich jedenfalls möchte nicht „airleben“, wie mir so ein Geschoss aus heiterem Himmel einen zweiten Scheitel zieht!

Einen luftigen Tag wünscht
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Orange is the new black

Es gibt Trump seit Tagen ja Trump kein Entkommen. Mit der „Inauguration“, ein viel zu feierliches, erhabenes Wort für dieses mittlerweile in alle Einzelteile zerlegte Inthronisierungsspektakel des amerikanischen Präsidentendarstellers, beginnt erst die schmierige Posse, die die Welt in nächster Zeit beschäftigen wird. Ein gigantisches Dschungelcamp, eine monströse Soap-Opera, in der die männliche Ausgabe von Alexis Colby-Carrington mit Geld, Intrigen und Lügen die Welt zu verarschen, seinen Kontostand zu mehren und seinen unwiderruflich schlechten Ruf zu verbessern sucht. Ein bockiger, narzisstischer, dauerbeleidigter Psychopath mit Kindheitstrauma und möglicherweise zu kleinem Gemächt, eine orangegelbe Krawallschachtel mit sämtlichen Atomcodes im Kopf. Eine Insolvenz an Toleranz. Ein präsidialer Albtraum. Ein staatsmännischer Schiffbruch.
Ich für meinen Teil habe hier eine Wette laufen, dass Trump, der gelbhaarige Sexistentycoon, keine 4 Jahre im Oval Office sitzt und hoffe nur, dass er bis dahin nicht allzuviel Schaden anrichtet. Mein Tipp: Amtsenthebungsverfahren in der 146. Woche seiner Amtszeit. Trump, die Wette gilt!

Wir in Schland dürfen aber nicht so tun, als schlitterten bei uns nicht auch ein paar Kühe übers Eis. Was war das in Koblenz? Das who-is-who der europäischen Rechtsausleger trifft sich, um den Wahlkampf der AfD einzuläuten! Marine Le Pen, Gallionsfigur des Affront National, Salvini, der mit seiner Lega Norditalien abspalten möchte und Wilders, der klebrige, niederträchtigeländische Silberpudel möchten Geburtsquotenfrauke Petry und ihrem Anhang das Feld bereiten! Da gilt es, genauer hinzuschauen, noch viel mehr als über den Teich! Wie zum Teufel kann es sein, dass hierzulande der Schwerpunkt der Berichterstattung auf Frau Melanias himmelblauem Jackie-Kennedy-Gedenkoutfit liegt, während in Koblenz der Todesstern der europäischen Idee, die Abrissbirne der Menschlichkeit, der Bodensatz der Menschenwürde die Klingen schärft?

Nein, wir dürfen nicht wie ein paar dahergelaufene Unfallgaffer auf das Trumperium schauen. Wir müssen unseren Blick auf uns und den Rest der Welt richten, aufs wilde Erdoganistan, in den unnahbaren Osten, auf all die anderen, zahllosen Brandherde der Welt. Zugegeben, das alles ist so anstrengend! So enervierend! So deprimierend! Aber wollen wir diesen Planeten wenigstens halbwegs passabel am laufen halten, müssen wir wachsam in alle Richtungen sein, um dem polymorphen Hass, der galoppierenden Angst und der allseits grassierenden Heimtücke in so vielen Ländern der Welt und zu allererst hier die Stirn zu bieten.

Ich bin Trump gerade so müde. Aber ich fürchte, es Trump hat gerade erst angefangen.

Matt, aber

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