„Franggnstein“ – Theater am Schützenhof!

Endlich Sommer! Endlich wieder Sommertheater am Schützenhof! Der schönen Tradition folgend durften wir vom Würzburger Blogger- und Twitterstammtisch der Generalprobe des neuen Stücks „Franggnstein“ beiwohnen, das die weltberühmte Geschichte von Mary Shelley ins mehr oder weniger beschauliche Würzburg von Balthasar Neumann und Julius Echter transplantiert und ihr damit ganz neues und unwiderstehlich komisches Leben einhaucht.

Leben einhauchen will auch der fränkische Franggnstein, nämlich der zusammengebastelten Kreatur, geschaffen eigentlich zu dem Zweck, der Frau des Hauses in der Küche zur Hand zu gehen – Tochter Astrid Penelope hat dazu nämlich gar keine Lust; sie geht lieber ihrem „Babba“ bei seinen nutzlosen Erfindungen zur Hand. Ja, Hände und der ganze große Rest müssen ja auch besorgt werden, zu meinen persönlichen Höhepunkten des Stücks gehört die Einkaufsszene, denn irgendwo müssen Glieder und Hirn ja herkommen!

Stück um Stück wird zusammengefügt, was nicht zusammen gehört, bis schließlich unter viel Gedöns und Krawumm ein Monster das Licht der Bühne erblickt, wie es der gemeine, mit Freundlichkeit ja eher fremdelnde Franke bis dahin noch nicht gesehen hat.

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Herrlich auch die musikalischen Abschnitte: Birgit Süß, Georg Koeniger, Heike Mix und Martin Hanns tragen wie Kopf auf Hals passende, bekannte Stücke mit neuen, urkomischen Texten und einer Inbrunst vor, dass es eine wahre Freude ist.

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Ich möchte hier nicht zuviel verraten, ein wenig mehr Einblick gibt der Vorbericht der Main-Post. Dass der Besuch des „Franggnstein“ sich nicht nur lohnt, sondern sogar dringend anempfohlen wird, ist somit klar wie Formalin.

Karten für dieses köstliche Vergnügen können hier bestellt werden und jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, dürfte die Premierenvorstellung gerade eben zu Ende gegangen sein.
Bleibt mir nur noch, dem Ensemble einen weiter stabilen Sommer zu wünschen, damit sich bis zur letzten Vorstellung am 15. August möglichst viele Zuschauer mit dem „Franggnstein“ amüsieren können.

Hingehen!
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Heißa Sommer!

Annelie hat uns fest in ihren schweißnassen Fängen, solange aber die Feuchtigkeit wenigstens in der Luft niedrig ist, habe ich damit fast keine Probleme. Dafür, dass der arme, kleine Hank heute Nachmittag noch ein Fußballturnier bestreiten muss, bedaure ich ihn sehr, er sich selbst im übrigen auch. Ich hatte ihm zuliebe auf eine Absage spekuliert, die aber ausblieb und der MamS meint, die Kerle stünden „voll im Saft“ und könnten das ab. Er selbst hat justament zu diesem Zeitpunkt einen Zahnarzttermin und angesichts dieser Umstände bin ich der festen Meinung, dass ich es heute am besten getroffen habe.

An einem freien Tag genieße ich nach Kräften. Überschaubare Bewegungen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, innen wie außen: Die üblichen Tipps für derlei Temperaturen beherzige ich ja auch außerhalb von Hitzewellenzeiten nach Kräften. Frau ist ja schließlich der Taufrische einen Augenblick entwachsen.

Apropos alt: Kennt Ihr noch den Werbeslogan, den ich hier

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nachgestellt habe?

Sommerfrische Freuden wünscht
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Im Paradeis

Gut möglich, dass ich Dinge manchmal etwas blauäugig angehe, übertriebene Planung ist nichts, was man mir vorwerfen könnte. In einer fremden Stadt lasse ich mich gerne treiben, was den MamS zur Weißglut bringt. Irgendwo komme ich schließlich immer an, und dass es woanders schöner sein könnte, weiß ich nicht, weil ich ja nicht dort bin, sondern da, wo der Wind (bzw. das nächste Nahverkehrsmittel) mich hinbringt. Wäre ich Kolumbus, wäre Amerika wahrscheinlich noch heute nicht entdeckt.

So zog ich den MamS, gleich nachdem unsere Koffer im Hotel ein Schläfchen hielten, in die erstbeste Straßenbahn. „Bahnhof“ prangte auf dem Straba-Schild und nach meiner Logik ist ein Bahnhof zumindest halbwegs im Zentrum einer Stadt, zum Auftakt einer Erkundung also nicht der schlechteste Ort. Station um Station ließen wir gefühlt Richtung Essen-City hinter uns, bis uns ein freundlicher Mitfahrer auf Nachfrage eröffnete, dass diese Bahn alsbald in den Bahnhof Gelsenkirchen einfahren würde, was den MamS in Schrecken versetzte, galt unser Ticket doch ausschließlich für die Stadt Essen. Ich wusste ja, dass die Orte im Ruhrgebiet eng beieinander liegen, aber dass man mit gespreizten Beinen in gleich zwei großen Städten stehen kann, war mir in dieser Rigorosität nicht klar. Wir diskutierten: Der MamS war für unverzüglichen Ausstieg und Rückfahrt mit der nächsten Bahn, ich plädierte für S-Bahn ab Gelsenkirchen, wie vom freundlichen Mitpassagier empfohlen und die deutlich schnellere Variante. Doch der hasenfüßige gesetzestreue MamS setzte sich durch und so stiegen wir irgendwo in Gelsenkirchen aus. Die Hitze knallte auf den Asphalt, während die zwischenmenschliche Temperatur aus Gründen gen gefühltem Permafrost sank. Wie von einer Wünschelrute gezogen, was sich in Rückschau nur mit drohender Dehydration erklären lässt, führte unser Weg zu einem Eiscafe,

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wo der MamS aus reiner Gewohnheit, ohne Hoffnung und in fester Erwartung des üblichen, negativen Bescheids nach „Zuppa Inglese“ fragte. Zuppa Inglese ist neben Malaga seine Lieblings-Eissorte und in heimischen Gefilden nahezu ausgestorben. Dem MamS zuliebe hatte ich kürzlich bei sämtlichen, heimischen Gelaterias nach dieser Sorte gefahndet; die Mehrzahl wusste nicht einmal, wovon die Verrückte da draußen überhaupt redet. „Bei uns heißt das ‚Valentinos'“, entgegnete die Gelsenkirchener Speiseeisfachkraft und überreichte dem staunenden MamS eine dicke Tüte mit bestem Stoff. Die folgenden 20 Minuten bis zur Rückfahrbahn verbrachten wir bass erstaunt an der Haltestelle. Derart sensibilisiert durchforsteten wir in den nächsten Tagen Essens Innenstadt. Tatsächlich hatte die Mehrzahl der Eisdielen die lange entbehrte Sorte
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in der Auslage und der MamS schwelgte ausführlichst in Erinnerungen an eine Jugend mit Zuppa Inglese und verstoffwechselte in den folgenden Tagen zahllose Einheiten der so lange vermissten Delikatesse.

Es wird behauptet, im Ruhrgebiet gebe es ganz besonders viele „Eisdielen“. Der Name rühre daher, dass die eingewanderten Gelatieri ihre Erzeugnisse anfangs direkt aus der Wohnung über an die Fenster genagelte Dielen verkauften. Mir persönlich geht Zuppa Inglese ja am Allerwertesten vorbei, aber woher der Name „Eisdiele“ stammt, hat mich wirklich und wahrhaftig schon immer interessiert. Allein deshalb hat sich die Reise in den Pott für uns beide mehr als rentiert.

Eine heißkalte Nacht wünscht
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Da ist der Pott!

War ich also letztens in der (oder sagt der Kumpel „auf der“?) Zeche!

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Der Titel „UNESCO-Welterbe“ ist mir ja geläufig, schließlich haben wir in Würzburg selbst eines. Allerdings erinnert mich mein immer noch brüllender Muskelkater und wehe Füße bis zu den Hüften daran, dass die Essener Ausgabe einen Hauch größer zu belaufen ist, als unsere putzige Residenz. So war ich physisch quasi schon am Ende, als wir im Dauerlauf bei 30 Grad Außentemperatur nach einigen Fehlabquerungen und Irrwegen über das immens riesige Gelände in letzter Minute den Treffpunkt zur Führung über die Kokerei erreichten, Teil der Zeche Zollverein.

Über die einst größte Kokerei Europas wusste ich nicht viel, Kenntnisse von Ingenieurswesen im allgemeinen und Chemie im besonderen sind ohnehin nicht vorhanden beschränkt. Die Ausmaße dieser Anlage sind so gigantisch und Ehrfurcht einflößend, dass mein Staunen und Bewundern ins Unendliche wuchs, so wie die schier nicht enden wollende Koksofenbatterie.

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Es ging hinauf

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zur Gasabsaugebene

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zur anderen Seite der 12 m tiefen Ofenbatterie, wo einst der fertig gebackene Kokskuchen herausgedrückt und gelöscht wurde.

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Über den „Meistergang“, wieder auf der Maschinenseite

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der Batterie, ging es ins Innerste, wo uns Aufbau der Brennkammern genau erklärt wurde und wir das Sonnenrad von unten

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besichtigen konnten. Einst zur Belustigung der Besucher gebaut, wurde der Betrieb inzwischen des lieben, fehlenden Geldes wegen eingestellt.

Ausgelegt für eine Betriebsdauer von 50 Jahren bezüglich der Kokerei ist der Schmucktitel „Welterbe“ für die Zeche Zollverein Fluch und Segen zugleich. Der Spagat zwischen Verfall und Erhaltung ist ein Kraftakt. Auf dem ganzen Gelände haben sich inzwischen kulturelle Einrichtungen und Museen angesiedelt, mit ständig stattfindenden Konzerten, Sonderführungen, Sportveranstaltungen und Workshops werden Besucher auf die Zeche geholt, die für den Erhalt dringend nötig sind, denn irgendjemand muss, ähm, die Zeche ja zahlen. Schon lange wird kein schwarzes Gold mehr gehoben, aber das gesamte Gelände ist ein architektonischer, industriegeschichtlicher und kultureller Schatz, den man unbedingt gesehen haben sollte.

Glück auf und so!
moggadodde

Nachtrag: Weil die Frage aufkam: Eine Untertage-Besichtigung ist bei der Zeche Zollverein nicht möglich. Die Schächte wurden aufgefüllt, um die Stabilität der Böden zu gewährleisten. Allerdings ist der Pott voll von Bergwerken, in die eine Abfahrt möglich ist. Ich bin bereits auf der Suche nach dem passenden Schacht …

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Ware Information

Dass jeder noch so kleine Schritt, den ich im Internet gehe, dokumentiert, ausgewertet, gepagerankt und verhökert wird, ist mir klar. Sehr viele Menschen verdienen Geld damit, möglichst alles über Frau moggadodde herauszufinden, um dieses Wissen an andere Menschen zu verkaufen, die dann wiederum Frau moggadodde Waren und Dienstleistungen verkaufen wollen.
Suche ich mittels Maschine nach Hotels in Marokko, zeigt mir das Zuckerbook zackzarapp günstige Hotels in Marrakesch, damit ich ja nicht vergesse, Urlaub zu wollen und wenn mir Menschen zum runden Geburtstag gratulieren, erhalte ich tags darauf Werbeanzeigen für Windeln, Sanitätshäuser und Hyaluroninjektionen. Das nervt auf Dauer, weshalb ich, wenn ich daran denke, mein Gewissen durch Surfen im Incognito-Modus besänftige oder mir zwischendurch immer mal wieder ein kleines Ablenkungsmanöver erlaube:

Tippe ich z.B. die Suche nach einem Mustang in die Browserzeile, klicke ich absichtlich nicht weiter, lasse offen, was genau mich interessiert. Sollen wir Frau moggadodde nun Angebote von Autohäusern oder von Gestüten machen? Ich google „Koks“, „Ohrenkerzen“ und gleich darauf „Cevapcici“, „Trappisten“ und „Hauptzollamt“ und verwirre die Algorithmus-Götter zusätzlich, indem ich sofort die Suche nach „Weißes Rauschen“ und „Dirty Sanchez“ hinterher schiebe. Spätestens jetzt qualmen die Server: Ist Frau moggadodde etwa eine den Drogen nicht abgeneigte, käseliebhabende Esoterikschrulle mit abnormer Sexualpräferenz? In your face, Big Brother!

Schwieriger wird die Sache, geht es um Informationen, die ich selbst haben möchte. Will ich mich über das Tagesgeschehen, aktuelle Berichte oder Strömungen informieren, muss ich vielseitig sein. Online-Portale sind schnell, aber wer schnell ist, macht auch Fehler, vom zwanghaften Geschiele der Redaktionen auf Klickrates ganz zu schweigen. Deshalb müssen diese Meldungen mit mehreren Quellen und vielleicht TV-Angeboten und Zeitungen abgeglichen und abgeklopft werden auf Ungereimtheiten und tendenzielle Berichterstattung und vielleicht einen Tag abhängen. Selbst dann kann alles ganz anders sein, wie der Vorfall um die von den Russen vielleicht oder nun vielleicht doch nicht gefakte Luftaufnahme rund um den Abschuss der MH17 kürzlich zeigte.

Über die Arten der Informationsbeschaffung hat sich arte mit der „do not track“-Reihe und der Episode „Die Ich-Zeitung“ auseinandergesetzt und die Frage beleuchtet, wie die selbst geschaffene „Meinungsblase“ bei Facebook und Twitter Einfluss auf Denkweisen und Einstellungen hat. In einer so vielfältigen Informationsgesellschaft hilft nur eine Art „ITelligenz“, die Fähigkeit, auszusieben und einen eigenen Algorithmus zu finden. Das alles hört sich nicht nur verdammt anstrengend an, sondern ist es auch, finde ich.

„Wo ist die Weisheit, die wir im Wissen verloren haben? Wo ist das Wissen, das wir in der Information verloren haben?“, fragt T.S. Eliot und ich frage mich das manchmal auch. Dann lehne ich mich zurück und studiere in der Zeitung die Eierpreise von gestern.

Einen informierten Tag wünscht
moggadodde

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