Schorsch König

Ich hätte auf ihn hören sollen. Er hatte mich ja oft genug gewarnt. „Wir können alles machen. Alles, wirklich alles. Aber niemals, versprich mir das, niemals darfst du mich küssen!“ sagte er. „Das würde ich nicht überleben.“. „Spinner“ sagte ich jedes Mal lachend, aber ich hielt mich daran, auch wenn ich darin keinen Sinn erkennen konnte. Wir hatten eine wundervolle Zeit mit traumhaften Tagen und ausgefüllten Nächten und es fiel mir zunehmend schwerer, mich an mein Wort zu halten. Zu sehr lockten mich die vollen, schön geschwungenen Lippen und der Wunsch, ihn zu küssen, wurde immer stärker.

Als er am letzten Sonntag nach dem Kaffee wie immer gedankenverloren am Rand meines kleinen Teiches saß, konnte ich mich nicht beherrschen. Ich schlich mich von der Seite an, kniete mich schnell vor ihn, packte seinen Kopf und küsste, küsste ihn, presste meine Lippen auf seine und als ich meinen Mund öffnete berührte meine Zunge nur kaltes Metall. Erschreckt öffnete ich die Augen. Mit einem leisen „Plong“ fiel mir mein Märchenprinz vor die nackten Füße.
Ich hätte mich an mein Versprechen halten sollen, denn es gibt wirklich wichtigeres als einen Kuss. An jedem verdammten Abend gehe ich in den Garten, setze mich an den Teich und sehe meinem Prinz tränenfeucht in die kalten Augen. Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen.

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Euch einen märchenhaften Abend wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Utopia veröffentlicht.

6 commenti su “Schorsch König

  1. babs sagt:

    *grins*
    So kann’s einem gehen…

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  2. su. sagt:

    mensch, den typ kenn´ich doch irgendwoher!….

    *g*

    aber hieß er nicht eigentlich HENRY?

    [Antwort]

  3. Ein wunderschöner Prinz. Noch dazu die gesunde Gesichtsfarbe.

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  4. Anne sagt:

    Och … was für eine dramtische Geschichte.

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  5. moggadodde sagt:

    @ babs: Und die Moral? Vertrauen ist gut – Kontrolle kann schlecht sein …

    @ su.: Ich sagte doch, dass ich nicht weiß, wo ich ihn einordnen soll. Ist er eben Schorsch König.

    @ Karin: Ja, ich finde ihn auch, naja, interessant. Bei su. hat er auch ein schönes Eckchen im Halbschatten gefunden, wo er weiter seinen Gedanken nachhängen darf.

    @ Anne: Ich habe meinen Kindern den Froschkönig zahllos oft vorgelesen. Das mit den Bändern am Ende, die das Heinrichs Herz einschnürten und Tag der Vermählung absprangen, fand ich schon immer unpassend. Da war der Herr Grimm wohl besoffen.
    Tja Anne: Lebbe is haad, abber lebbe gedd waider …

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  6. Anne sagt:

    Solangs waider gedd, ischt ok. 🙂

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