Oma zum Zweiten

Sobald übrigens Gesprächswüste drohte, holte die Oma ihre Mundharmonika aus dem auf ihrem Schoß gebunkerten Täschlein.
Mit geschlossenen Augen und voller Inbrunst intonierte sie Volksweisen, die zu Recht in Vergessenheit geraten sind, irgendwas mit Zigeunern war, glaube ich, auch darunter. Am Ende des jeweiligen Ständchens klatschten wir alle Beifall und lobten ihre Darbietung.
Mit entschlossener Bewegung wischte sie jedesmal mit dem Ärmel ihres Pullovers über das Instrument und hielt es über den Tisch. „Da, die kannst du haben. Ich hab noch mehr davon!“, sagte sie freundlich und ihr Gebiss klapperte, aber der kleine Hank lächelte tapfer und lehnte dankend ab. Undankbarer Fratz, der!
Später erzählte er mir, dass er während der Vorführungen immer mal wieder verschwinden musste, weil der aus Omas tüchtig geblasener Mundharmonika sprühende Speichel ihn, der ihr gegenüber saß, zu arg zu tränken drohte. Und einmal am Tag geduscht, reiche schließlich.

Ich denke, ich sollte meine Oma öfter einladen. Das war jedenfalls ein Nachmittag, an dem Loriot seine Freude gehabt hätte!

Einen feuchtfröhlichen Tag wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

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