Mutterschutz

Vorgestern beim Griechen: Den MamS plagt nach dem Essen ein Fleischfetzchen, das sich in seinem Kaugebälk verfangen hat und ich erinnere mich dunkel, in den Untiefen meiner zweizimmerwohnunggroßen Handtasche ein paar Zahnstocher gebunkert zu haben. Nach ein bisschen Gekrame fördere ich ein Briefchen zutage, das sich allerdings als Kondom entpuppt. „Oh Mudda“, seufzt der kleine Hank, „wozu hast DU denn sowas?“ und ich erkläre ein bisschen beleidigt, dass ich mitnichten fürs quicke Abenteuer gerüstet sein möchte, sondern das Fundstück in der vergangenen Basketballsaison als Werbeartikel der Arbeiterwohlfahrt auf meiner Sitzschale entdeckte und in der selten genutzten Tasche vergaß.

„Na, hier, das brauchste ja vielleicht!“, frotzle ich jetzt frech und werfe dem kleinen Hank das Brieflein entgegen. Er fährt am nächsten Tag nach Prag, Berufsschulabschlussfahrt. Fest rechne ich mit entrüsteter Abweisung der mütterlichen Liebesgabe, aber er enttäuscht mich und packt es einfach in die Hosentasche, als ob es ein paar Mentos wären. Er steckt es einfach weg! Wortlos!

Still überschlage ich das Geschlechterverhältnis der Abschlussklasse sowie das Haltbarkeitsdatum des Prä-, ähm, sents und bin ob seiner offensichtlichen Selbstverständlichkeit sofort in totaler Habachtstellung gefangen, aber nunja, verflixt, zugenäht und hallelujah, ich muss meine Klappe halten, er ist ja nun wirklich alt genug! Natürlich kann ich kann ihm keinen meiner Gedanken offenbaren, ohne mich als komplett hysterisches Müttermonster zu outen, aber trotzdem schreit mein Innerstes verängstigt: Kind, denk daran, egal ob Paderborn, Prag oder Paris, Hauptsache Verhütung!

Ein ganz anderes Problem steht dem kleinen Hank bei seiner Rückkehr bevor. Ohne zu fragen hat er nämlich, trotz eigenen, vollen Kleiderschranks, des MamS liebste Jacke aus dem Schrank stibitzt und mit auf Reisen genommen. Ganz erwachsen ist er also doch noch nicht. Gegen das MamS’sche Donnerwetter, das ihn am Samstag erwartet, gibt es keinen Schutz. So eine große Handtasche habe nämlich nicht einmal ich.

Eine behütete Nachte wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

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