Hangover

Die Institution der Heckenwirtschaft ist in der dörflichen Infrastruktur fest verankert. Zweimal im Jahr fallen wir mit ein paar Gleichgesinnten in den von Körper- und Küchenausdünstungen geschwängerten Feuchtraum ein, um direkt beim örtlichen Winzer die flüssigen Perlen der hiesigen Weinlagen zu schnabulieren.

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Wegen der drangvollen Enge in dem pickepacke vollgepfropften Gewölbe ist der Besuch in der Heckenwirtschaft für Sozialphobiker und olfaktorisch empfindliche Personen eher nicht zu empfehlen.

Natürlich waren wir wieder die letzten Gäste. 4 Frauen schleppten 5 Männer ab, also im wörtlichen Sinn, weil ein gefahrloser Heimweg ohne unsere haltenden Arme ein schwieriges Unterfangen gewesen wäre. Natürlich kam das angeschickerte Grüppchen noch mit zu uns, weil so ein Abend ohne Absacker ja gar nicht ginge und natürlich entpuppte sich der Absacker nur als Beginn einer neuen Runde.
Natürlich war ich unglaublich müde heute früh, aber weil ich schon um 10.00 Uhr auf dem Sportplatz Kaffee und Kuchen verticken musste, war an Ausschlafen nicht zu denken. Natürlich versuchte ich, am Nachmittag den versäumten Schlaf nachzuholen.
Natürlich habe ich Kopfschmerzen. Natürlich geht es mir noch immer nicht richtig gut. Natürlich bin ich heilfroh, dass einer der Teilnehmer die intensiven, unfreiwilligen Kopfüber-Kontakte mit der Toilettenkeramik erst in seinen eigenen vier Wänden zelebriert hat. Natürlich sind wir beim nächsten mal wieder mit von der Partie.

Euch eine himmlische Nacht wünscht
moggadodde

Adel vernichtet

Pflichtprogramm im Hause mogga: „Pelzig unterhält sich“ mit dem begnadeten Frank-Markus Barwasser aus meiner Heimatstadt, der sich in seiner Sendung jeweils drei Gäste vorknöpft und mit seiner gekonnt hinterfotzigen Art und vorgeschobenen Blödheit gnadenlos aber liebreizend die Schwachstellen der diversen Gäste hervorkitzelt. Bisher im bayrischen Drittprogramm zu sehen, zu moderater Zeit oder am Freitagabend, empfängt Herr Pelzig (auf fränkisch „Belzich“) Frau Wilhelm, Herrn Trittin und irgendeinen Klatschreporter heute Abend um 23.45 Uhr in der ARD, wogegen ich schwersten Protest erhebe!
Es gibt viele Menschen, mich eingeschlossen, die morgen um 6.00 Uhr relativ ausgeschlafen aus der Kiste steigen müssen, um den Mitbewohnern ein möglichst schmackhaftes Frühstück zu kredenzen und ein leidlich gesundes Pausenbrot zu zaubern und die ARD will mich bis dreivierteleins vor die Glotze fesseln. Frechheit, sage ich!
Natürlich siegt die Neugier, zumal ich nirgends sehe, ob das wiederholt wird.
Für alle, die nicht so lange aufbleiben können oder wollen, bzw. befürchten, das fremde Idiom nicht zu verstehen (obwohl Herr Pelzig sich schon sehr zusammenreißt), gebe ich grad mal einen schnellen Grundkurs in meiner Heimatsprache, der zwei der größten Problemfälle der Randgruppensprache Fränkisch behandelt:

a. „Hardes Bee und weiches Bee“
Ich, genervt: War das wieder ein Verkehr heute früh! Ich bin schon auf Höhe vom Kloster gestanden, weil nach der Brücke wieder so ne blöde Bimmelbahn gequert ist.
Dixie, losprustend: „Hä, was war da, ’ne Pimmelbahn? Was’n des?

b. „Hardes Dee und weiches Dee“
Hank, selbstsicher: „Der Äquador ist doch in Äquador, gell?
Ich, verwirrt: „Nee, Hank, naja: Der Äquator ist nicht nur in Ecuador.“

Damit ich bis zur Spätsendung durchhalte, gehe ich jetzt erstmal ausgiebigst ins Bad. Die bereits halb leere (oder halb volle, je nach dem) Rotweinbuddel („Villa Orsini“ 2005, von irgendeinem leckeren Hügel im Chianti) schaffe ich jetzt besser weg, sonst sehe ich nicht rot sondern schwarz für meinen Plan.
Schön, dass Herr Pelzig jetzt im Ersten plaudert. Schlecht, dass es derart spät stattfindet.
Aufgemerkt: Nicht jeder Aufstieg ist ein Fortschritt!

Euch einen wachen Abend wünscht
moggadodde

Glatt gegangen!

Der mallorquinischen Schönheit „Esperanza“ hat der MamS gestern endlich seine Aufwartung gemacht. Lange genug hat er den schmerzhaften Besuch auch hinausgeschoben. Diejenigen unter euch, die das THINK!-Rätsel verfolgt haben wissen, dass Señorita Esperanza dem sadistischen ehrenhaften Beruf der Epilierfachfrau nachgeht. Der MamS steht noch heute unter dem Eindruck dieser Begegnung und hat mir, äh, haarklein von seinem Besuch erzählt. „Da darfste kein Weichei sein!“, so sein Tenor.
Das warme Wachs, aufgetragen mit einer Art Farbroller, ergäbe allein schon ein unangenehmes Gefühl, berichtet er. Genau hat er es nicht beobachten können, da das Operationsfeld bei diesem Besuch ja der (komplette) Rücken war. Danach würden Streifen fest ins Wachs gedrückt und mit Schmackes und einer Handvoll Haaren daran wieder abgezogen, mit Wurzel, so heißt es. Das bedeutet wie beim Zahnarzt den puren, nackten, schreienden Schmerz, so sein Bericht und während bei der dentalen Wurzelbehandlung ja wenigstens eine Betäubung erfolgen kann, wäre das bei, grob geschätzt, einem knappen Quadratmeter Rücken doch etwas aufwändig.
Etwa eine halbe Stunde dauerte der Eingriff, dann war der Silberrücken so gestorben wie die armen Gorillas von Frau Fossey. Auch heute noch ist das Operationsfeld leicht gerötet; würde es nach dem Duschen mit einer spanischen Spezialtinktur gesalbt, sollte das bald nachlassen, sagt Esperanza.
Etwas ungewohnt ist der Anblick auch für mich, kenne ich den MamS doch nur mit Ganzkörpermatte und gestört hat mich das nie, ich bin ehrlich, ich mag es gern warm und wenn man sich an ihn anlehnt ist das, als trüge man einen ein bisschen kratzigen Schafwollpullover, aber ihn selbst hat der Teppich gestört und, tja, jetzt ist er ihn los und hat gleichzeitig ein kleines Dilemma.

Als ich dem MamS nämlich vorhin den Rücken salbte stellte ich fest, dass seine Rückenpartie zwar jetzt wie gewünscht glatt ist wie eine Motorhaube, allerdings nur bis zur Gürtellinie, darunter herrscht weiter Wildwuchs. Jetzt hoffe ich im Stillen, dass Esperanzas Bemühungen nicht von endgültigem Erfolg gekrönt sind, denn sonst steht der MamS vor dem weiterführenden Problem, dass die Leute in der Sauna sich sehr über das Yin und Yang auf seiner B-Seite wundern dürften. Die Alternative wäre eine nach Süden ausgerichtete Fortführung der Behandlung. Pofalte und –backen schlagen mit insgesamt 24,00 € zu Buche und die Beine komplett kosten nochmals 29 Mücken, was aber dann noch nicht alles sein dürfte, weil die Beine ja dann vorne auch enthaart sind aber die Brust immer noch wuchert. Die Brustenthaarung kostet 13,00 € und die Arme müssten dann ja auch noch sein, die liegen bei 19,00 €. Auf die „Brasilianisch-Spezial“-Variante sollte er verzichten, nicht weil sie mit 32,00 € am teuersten ist, sondern weil er das nicht überleben würde, schätze ich.

Für den MamS ist die Entscheidung schon gefallen. Er wird Esperanzas Dienste wohl nicht mehr in Anspruch nehmen und obwohl ihm der Abschied vom Silberrücken leicht fällt, wird das überreichte Bonuskärtchen wohl für immer nur einen einzigen Besuch verzeichnen.
Einen prima, silbergrau melierten Flokati hätte das gegeben, wenn man die Wachsstreifen mehrerer Sitzungen aneinandergelegt und ordentlich vernäht hätte! Aber die Qualen, die der MamS da hätte ertragen müssen, wären es vermutlich nicht wert gewesen. Ein schöner Shaggy ist ja auch nicht so teuer und die Farbe kann man sich da aussuchen.

Euch eine glatte Nacht wünscht
moggadodde

Natural born assholes

Die Höflichkeit der Menschenkinder auf diesem Planeten hat ja letzthin etwas nachgelassen. Gehörte das Aufhalten von Türen früher zum guten Ton, kann man von Glück sprechen, wenn man nach dem Besuch eines x-beliebigen Kaufhauses nicht mit seinen Schneidezähnen Schusser spielen muss. Mit Gesichtern, die sagen „Wenn du mich ansprichst, spring ich dir ins Kreuz!“, hetzt die Mehrheit der Leute durch die Stadt, die Ellbogen angriffslustig ausgefahren, gefährlich wie die Stampede einer Mufflonherde, die seit zwei Monden nichts zu beißen hatte.

Wenn ich als Fahrzeuglenker (was für ein beknacktes Wort!) einem Passanten durch freundliches Handzeichen zu verstehen gebe, dass ich anhalten und ihn über die Straße gehen lassen werde, ernte ich meist kein dankbares Lächeln, sondern nur einen Blick der signalisiert, dass ein Vorbeifahren eine grobe Pflichtverletzung meinerseits gewesen wäre. Handzeichen sind auf den Verkehrswegen allerdings noch nicht ausgestorben, wenn sie auch durch einen aggressiv gereckten Mittelfinger imponiert werden.

Die Chance, Rücksichtnahme oder gar Freundlichkeit im Straßenverkehr zu erfahren ist in etwa so hoch wie die, dass Papa Ratzi ein aktives Mitglied der Hells Angels ist. „Hallo Partner – Danke schön!“, der alte Slogan aus den 70ern, wurde gestrichen, durch „Verpiss dich, du Flachwichser!“ ersetzt und wenn ich einen Verkehrs“partner“ darauf hinweise, dass sein linkes Bremslicht nicht funktioniert laufe ich Gefahr mit der Frage konfrontiert zu werden, „was, verfickt nochmal“ mich das denn bitte anginge.

Generell sind die kleinen Worte „bitte“ und „danke“ zu absoluten Raritäten geworden in diesen sensuell spärlichen Zeiten. „Dank“ für eine offen gehaltene Tür zu erwarten ist vergebliche Liebesmüh‘, das spontane An-den-Tisch-Rutschen im Restaurant, um ein Vorbeikommen zu erleichtern, wird ignoriert. Das gute, alte „Entschuldigen Sie bitte!“ für einen unbedachten Rempler ist komplett verschwunden und zu einem „Pass‘ doch auf, Mensch!“ mutiert.

Ich habe mir tatsächlich schon ernsthaft überlegt, ob ich meine alltägliche Freundlichkeit ablege und auch zum Arschloch werde. Erstens käme es ja auf eines mehr nicht mehr an und zweitens würde ich mich als paritätischer Kotzbrocken in der Güllegrube vielleicht besser fühlen. Ich würde gehbehinderten Ömchens die Drehtüren um die Ohren knallen und mich immer so saublöd an der Tankstelle postieren, dass ich die Zapfsäule hinter mir gleich mit blockiere. Beim Kaffeekränzchen würde ich mir kalt lächelnd das letzte Stück Kuchen abgreifen, ohne zu fragen, ob vielleicht jemand anders noch Lust darauf hat und ich würde mit unzerkleinerten Schuhkartons die hauseigene Papiermülltonne verstopfen, wie der bekloppte BMW-Fuzzi unter uns, der schon ein waschechtes Arschloch gewesen sein muss, als er bei seiner Mutter aus dem Bauch geflutscht ist, denn in dem Umfang kann er sich das unmöglich antrainiert haben.

Aber ich schaffe es nicht, ich kann machen was ich will. Ich parke nicht so, dass mein Parknachbar ein Schlangenmensch sein muss, wenn er in sein Auto möchte, ich formuliere freundliche, vollständige Sätze („Ich hätte bitte gerne den Zucker“ statt „Kann ich mal den Zucker?“ soviel Zeit muss sein!) und ich hebe im Treppenhaus auch mal ein Bonbonpapier auf, selbst wenn es nicht von mir ist. Im ÖPNV würde ich einem Senior meinen Platz anbieten, weil er vielleicht nicht gut zu Fuß ist und mit seinen gichtkranken, alten Fingern die Haltestangen nicht packen kann und ich bedanke mich lieber einmal zuviel als einmal zu wenig, nicht weil ich es muss, sondern weil ich es will und weil ich, wenn ich es sage, auch so meine.

Das mundartlich gefärbte „Dir hamse wohl in die Ohr’n gschisse!“, das eine fette Mittfuffzigerin dem ihr flüchtig bekannten Geschäftsinhaber heute als Antwort auf die nochmalige Frage nach der bestellten Brotsorte über die Theke bellte, war bestimmt nicht wirklich böse gemeint.
Der viel beschworene Zeitgeist ist wie ein wilder Gaul aus der Camargue zügellos davongaloppiert und hat die wichtigsten Passagiere, den freundlichen Umgangston und die guten Manieren in den Abgrund geschmissen, weshalb die unflätige Färse von heute Nachmittag leider ziemlich mittig im Lifestyle-Strom herumdümpelt.
Schade nur, dass dieser Prozess niemals mehr rückgängig gemacht werden kann. IchIchIch – zuerst komme IchIchIch – wir sind ein abscheuliches Volk von Egomanen geworden. Meinen Beitrag zur Verzögerung der selbstbeweihräuchernden Persönlichkeitsverkapselung habe ich geleistet und zumindest meine Kinder zu Höflichkeit (nicht zu verwechseln mit Unterwürfigkeit!) und freundlichem Auftreten angehalten. Mehr kann ich leider nicht machen.

Ein zügelloser Gaul ist mit mir heute wohl auch durchgegangen; zwar wollte ich zu diesem Thema gar nicht so ausführlich werden, andererseits verdient es eine ausführliche Behandlung.
Ich für meinen Teil bleibe, wie ich bin. Arschlöcher gibt es auf dieser Welt nämlich wirklich schon genug.

Euch einen herzlichen Abend wünscht
moggadodde

Morgäähn!

Seit mehr als zwei Jahren warten wir darauf, dass unsere Terrasse repariert wird. Tückisch abgesunkene Platten machen das „Aussteigen“ nicht ungefährlich und mit gut gefülltem Wäschekorb habe ich schon öfter die gefährlichen Stellen übersehen und bin wie ein nasser Sack auf die Platten geknallt habe mich unfreiwillig zu Boden begeben. Meiner Geschicklichkeit kann ich es zuschreiben, dass ich von ernsthaften Verletzungen verschont blieb.
Der Vermieter schiebt es auf die Handwerker, der Handwerker auf den Vermieter und heute, heute soll es mal wieder so weit sein. Um 8.00 Uhr sollten die auf den Fliesen stehen und, äh, ich bin nicht sicher, ob das heute was wird. Immerhin ist die Terrasse jetzt für den Winter schon frei, dieser Kraftakt ist wegen meiner Affinität zu allerlei Krimskramsschnörkelscheiß immer etwas aufwändiger.

Der Kaffee steht hier duftend neben mir Gleich mache ich mir einen weiteren Kaffee, die Waschmaschine läuft mal wieder ohne ungewöhnliche Geräusche und jetzt ist die Zeitung dran. Ohne Zweifel: Das frühe Aufstehen hat auch schöne Seiten,

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auch wenn ich hundertprozentig umsonst auf die beknackten Handwerker warten werde …

Euch einen verlässlichen Tag wünscht
moggadodde

Update: „Middachsbause“, oder wie man sich täuschen kann:

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Weil es morgen regnen soll, werden die Arbeiter bestimmt nicht kommen können und es wird bis Mai dauern, bis wir nach draußen können. Ich bin jetzt einfach mal extraordinär pessimistisch, immerhin hat das heute früh auch geklappt …