Frauenpower!

Weil ich das Gefühl habe, dass sich noch nicht nachhaltig herumgesprochen hat, dass heute eine WM begonnen hat, nämlich die der Frauen im Fußball, möchte ich das hier nochmal ins Gedächtnis bringen. Das Zweite überträgt gerade das Eröffnungsspiel der Weltmeisterinnen aus Deutschland gegen die Argentinierinnen und ich weiß gar nicht, 5 : 0 oder 6 : 0, ich zähle gar nicht mehr mit. Wer sich wie ich regelmäßig über die WM in China auf den neuesten Stand bringen will, kann dies online ganz aktuell im Womensoccer-Blog tun, den ich euch hiermit anempfehlen möchte.
Da fällt mir gerade ein, dass ich mich verständlicherweise nicht dazu durchringen kann, die deutschen Fußballerinnen als „Mannschaft“ zu bezeichnen. Ich entscheide mich für den Begriff „Team“.

Etwas befremdlich finde ich, dass meine Fußball-Zeitschrift, die 11 Freunde, seit sie nicht mehr in Würzburg gedruckt wird, in ihrer Qualität deutlich nachgelassen hat. Nicht im Inhalt gottlob, der ist immer noch erstklassig, aber, naja, ich bin da eher der gefühlsechte Typ: Das Papier ist nicht mehr so griffig und hochwertig, wie das vorher der Fall war und die Zeitung riecht auch nicht mehr so gut. Nicht lachen! Ich schnuppere immer an Druckerzeugnissen jeglicher Art und wenn mir der Geruch sympathisch ist, lese ich umso lieber. Außerdem vermisse ich die Kolumne um Günter Hetzer und den Trollinger, aber vielleicht werden ja nur gerade neue Inputs gesammelt.

Apropos: Weil ich ja im Moment ein bisschen viel um die Seele habe, hat mir die liebe Su. (dass du ein Schatz bist weißt du ja selbst!) heute ein Überraschungsgeschenk zukommen lassen,

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das mich tatsächlich herzhaft, laut und lange lachen ließ.
Ich mag Sicks Dativ-Genitiv-Geschichten, auch wenn er mit diesem Buch, „Happy Aua“, sein Honorar leicht verdient. Im Grunde handelt es sich nämlich um grammatikalische und Apostrophen-Katastrophen in Bildform, die ihm von überall zugespielt wurden, aber das schmälert den Genuss ganz und gar nicht. Außerdem, hmmm, es riecht gut und liegt hervorragend in der Hand.

Euch einen lehrreichen Tag wünscht
moggadodde

Ladenhüter

Beim Abendessen vorhin fiel mein Blick auf die riesige Pepsiflasche, auf deren Etikett mir Frau Aguilera entgegen lächelte. Durch einfache Teilnahme per SMS bestehe mit etwas Glück die Aussicht auf den Gewinn eines schnuckeligen, niegelnagelneuen Sony-Ericsson Walkman-Handys. Na, da bin ich dabei, dachte ich gerade, als der MamS anfragte, wann denn da Teilnahmeschluss wäre. Ein Blick auf die Banderole verriet, dass die Aktion in der Zeit von 14.10. bis 09.12.2006 lief, also vor etwa neun Monaten das letzte Mobiltelefon verlost worden sein musste. Die nächste Frage lag auf der Hand: Wie alt war dann wohl die Plörre, die wir gestern gekauft und eben recht beachtlich schnabuliert hatten? Ha! Als MHD war der April 2007 angegeben. Darf sowas überhaupt noch verkauft werden? Da werde ich dem Getränkemarkt meines seit heute ebenfalls abgelaufenen Vertrauens wohl einen Besuch abstatten …

Euch einen nachhaltigen Abend wünscht
moggadodde

Spitzfindig

Dass der MamS eine gewisse Fertigkeit im Verteilen von Spitznamen hat, habe ich ja bereits einmal ausführlich dargelegt. Schon seit mehreren Monaten haftet mir nun ein neuer Name an, mit dem der MamS mich ausdauernd bedenkt.

Der Satz „Wraulie, machst du mir mal einen Espresso?“ (manchmal und besonders schlimm sogar in der dritten Person: „Macht mir der Wraulie mal einen Espresso?“) z.B. bringt meinen Blutdruck sofort in den roten Bereich oder „Du, Wraulie, wo sind denn meine Turnschuhe?“ (bzw. „Weiß der Wraulie, wo meine Turmschuhe sind?“) und mein Puls rast an die Decke und ich schreie zurück: „ICH HABE EINEN NAMEN!“ „Das weiß ich doch“, flötet er, „ich finde Wraulie aber viel netter.“
Dazu muss man erwähnen, dass sich „Wraulie“ (am Anfang gesprochen wie „Wrigleys“) als Abkürzung aus dem netten Nickname „Wühlmaus“ entwickelt hat, der ja allein auch schon grausam genug ist. „Ich nenne dich ja auch nicht ‚Hrmpfl'“ sage ich hilflos, weil ich weiß, dass diese Unterhaltungen eigentlich vollkommen für den Arsch die Katz’ sind und ernte wie erwartet ein schuftiges Lächeln.
„Wo sind denn nun meine Schuhe?“ fragt er ablenkend und ich verdrehe die Augen und antworte patzig: „Ganz bestimmt da, wo du sie hingestellt hast!“
„Warum bist du denn so gereizt?“ erkundigt er sich. „Du weißt doch, dass ich das liebevoll meine!“ „Klar“, argumentiere ich „wenn du mir im Vorbeigehen immer auf den Hintern klopfst meinst du das ja auch liebevoll, ich hasse es aber trotzdem. Und ich weiß nicht, wie oft ich dir schon gesagt habe, dass du das lassen sollst!“ Er guckt mich an und sagt: „Na gut, wenn dich das so stört, werd‘ ich mir was anderes überlegen“. „Wie wär’s mit meinem Taufnamen?“ schlage ich vor. „Nee“, sagt er grinsend, „ich schlag dich einfach auf die andere Backe“ und wird von dem Turnschuh, den ich ihm schwungvoll entgegenpfeffere, leider knapp verfehlt.
Er kann es nicht ausstehen, wenn ich ihn „mein Schatz“ rufe und das würde ich unter anderen Umständen auch nicht tun, weil ich „mein Schatz“ genauso wie „Liebling“, „Hasebär“, „Süßer“ oder „Schnucki“ absolut affig indiskutabel finde aber genau das wird meine Strategie: Ich verwende diese Bezeichnungen ab sofort beiläufig aber ausdauernd und dann werden wir ja sehen, wie lange „Wraulie“ überlebt …

Euch einen unterhaltsamen Tag wünscht
moggadodde

Bio-Beauty

Plastikbriketts zur Illusion vollendeter Sixpacks in perfektionistisch geprägten Männerbäuchen und wabbelige Silikonkissen zum Pimpen vermeintlicher Anatomiedefizite der weiblichen Proportionen gehören zum Alltag in Beauty-Werkstätten auf der ganzen Welt.
Die Verwendung des eigenen Körpers als Reservoir für die Modifikation unzulänglich geratener Körperpartien, das klang bisher für mich nach Science-Fiction und Futuretainment.
In dieser Woche habe ich aber von zwei neuartigen Methoden aus der ästhetischen Chirurgie gehört, die vollkommen ohne das Einbringen von synthetischen Stoffen auskommen, nämlich die Unterfütterung z.B. runzliger Hände mit körpereigenem Fett sowie das Einbringen kleiner Stücke frisch gestrippter Krampfadern zum Aufplustern zu schmal geratener Strichlippen.
Das ist doch schon ein verheißungsvoller Anfang und ich habe gleich noch ein paar weitere, ganz persönliche Ideen für die Schönheits- und Wellnessindustrie, die dem unzufriedenen Beauty-Freak eine autonome Versorgung mit Ersatzteilen ermöglicht:

1. Die Ganglium-Gesichts-Gestaltung
Abgesägte und in der Mitte durchtrennte Überbeine helfen bei der Modellage angesagter, slawisch-hoher Wangenknochen

2. Der Cerumen-Defender
Bitteres Ohrenschmalz, gesammelt und auf den Körper aufgetragen glättet Falten, macht die Haut geschmeidig und dient ganz nebenbei als biologisches Mittel zur Mückenabwehr

3. Venus Divine Eyewear
Durch Verpflanzung einzelner Schamhaare auf die Augenlider werden permanent perfekt geschwungene Wimpern in gewünschter Dichte erreicht

4. Die keratonasale Switchkorrektur
An schwieligen Füßen abgetragene Hornhaut dient der Nivellierung auch ausgeprägter Höckernasen.

Ich denke, dieses nur auf den ersten Blick gruselige Thema ist noch lange nicht ausgereizt. Ganz sicher werden bald noch weitere ausgefallene Einfälle der skurrilen Art Eingang in die Praxen der Beauty-Designer finden und das ist ein guter Weg, weil die Ökopatienten nach dem Ableben auch noch vollständig und umweltverträglich biologisch abbaubar sind! Welcome to future!

Euch einen perfekten Abend wünscht
moggadodde

Wachstum

Pünktlich mit dem September ist der Herbst gekommen, denn ich backe Zwetschgenkuchen, der nach der harten Kritik des MamS etwas zu trocken zu wenig saftig geworden ist. Mit dem beschissenen Hefeteig stehe ich bekanntlich auf Kriegsfuß und sein Gelingen gleicht einem Roulette. Weil ich um meine Unfähigkeit weiß, benutze ich schon Trockenhefe, um die Chancen auf ein essbares Ergebnis zu verbessern. Bei Pizzateig klappt das ganz gut, bei Kuchenteig eher nicht, aber ich finde, er sieht nicht schlecht aus, auch wenn der Teig nicht recht aufgehen wollte.

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Die Zwetschgen haben komischerweise keinerlei Saft abgesondert, das ist mir persönlich zwar schleierhaft aber auch vollkommen egal. Ich esse Zwetschgenkuchen nämlich am liebsten wegen der leckeren Zimtstreusel. Wenn es mich überkommt, kann ich die Mischung aus Butter, Mehl, Zucker und Zimt auch einfach roh und klebrig aus der Schüssel löffeln. Kuchen ist Kokolores. Zimtstreusel und wer braucht noch Kuchen?

Weiterhin habe ich den Verdacht, dass der kleine Hank ein bisschen zu schnell groß wird. Heute bat ich ihn, für mich die Wäsche draußen auf die Leine zu hängen. Als ich dazu kam und ihn betont vorsichtig darauf ansprach, dass ich mir für eine bestimmte Hose das Bügeln sparen könnte, wenn sie nur richtig aufgehängt würde, meinte er ostentativ und wörtlich: „Willst du meine Arbeit in frage stellen?“. Ich guckte erst mal blöd und erwiderte absichtlich genauso geschraubt, dass ich sein Engagement innerhalb der Familiengemeinschaft wohl zu schätzen wisse, dennoch dürfte ich ihm doch einen Verbesserungsvorschlag unterbreiten, damit die bügelnden Domestiken (also ich) anschließend nicht mehr so viel Arbeit hätten. Das sah er irgendwann ein und ich durfte ihm für den nächsten Einsatz zeigen, wie ich mir das vorstelle.
Hank ist 9 und ein halbes Jahr alt und hat diesen Satz vollkommen ernst gemeint. Für seine neue (von Dixie abgestaubte) Büchertasche hat er sich ein stylishes Queen-Button gekauft und jetzt warte ich nur noch darauf, dass er sich zu Weihnachten ein Palästinensertuch oder die Biografie von Che Guevara wünscht.
Gerade höre ich ihn aber an Dixies Computer mit dem Flugsimulator trainieren. Während er aus seiner Lockheed X-35 zahllose Raketen ausspuckt und mit miserabler Grafik aber realistischem Sound feindliche Flugobjekte mit Mach 1,5 verfolgt, werde ich ruhiger und sehe noch Chancen, dass aus ihm ein ganz normaler junger Mann wird und kein rechthaberischer Dauerdiskutierer mit der Tendenz zur nervtötenden Besserwisserei.

Euch einen friedlichen Abend wünscht
moggadodde